In solchen polygamischen Ehen gibt es aber manchmal Mordspektakel, und die Autorität des Mannes wird, wenn die Damen einmal in der Wuth sind, wenig mehr beachtet. Ehliche Treue ist unter ihnen gar nicht zu finden, und es geschieht häufig, dass ein Weib monatelang sich bei einem andern Indianer aufhält, und nachher wieder zu ihrem Manne zurückkehrt. Ebenso ist es nicht selten, dass Männer ihre Weiber und Kinder verlassen und sich an andern Plätzen wieder ansiedeln.

Es gibt gewiss kein unbeständigeres Volk, als die Indianer. Der kleinste Umstand kann ihre Laune ändern und machen, dass sie Aecker und Wohnungen, selbst wenn diese erst neu angelegt sind, sowie ihre Familien verlassen, und sich lieber mit unsäglicher Mühe an andern Plätzen wieder anbauen, die ihnen bei weitem den Vortheil ihrer verlassenen Heimath nicht geben. Und wie die Alten, so die Jungen!

Es ist nichts Ungewöhnliches, dass Kinder von 10-12 Jahren von ihren Eltern weglaufen, und nach andern, oft weit entfernten Dörfern, wo sie Bekannte haben, gehen. Eine Hängematte, Pfeil und Bogen und vielleicht noch ein altes Messer sind der ganze Reichthum eines solchen kleinen Vagabunden, der aus jeder Eidechse, jedem Vogel oder Fisch, den sein Pfeil erreicht, seine Mahlzeit zu bereiten weiss.

Eltern- und Kinderliebe gehört zu den Seltenheiten, und für Alte und Kranke scheint man ganz gefühllos zu seyn. Selbst Mütter, deren Kinder des Nachts aus ihrer Hängematte ins Feuer fielen und sich auf schauderhafte Weise verbrannten, liessen diese armen Würmer ohne Hülfe wimmern und tanzten ungerührt beim Tapanafeste in den Reihen der Uebrigen.

Solche Brandwunden kommen sehr häufig vor, weil die Indianer immer Feuer unter der Hängematte haben, und manches Kind, das von der betrunkenen Mutter wegkroch, ins Feuer fällt.

Die Dörfer sind ohne alle Symmetrie, meist dicht an einem Flusse oder einer fahrbaren Kreek angelegt, und die Häuser stehen ohne alle Ordnung in die Kreuz und Quer da, wo sie eben die Laune des Eigenthümers hinstellte.

Jede Familie hat ihre eigene Hütte, die so lange benützt wird, bis sich kein Plätzchen mehr findet, an welchem die Hängematte vor Regen geschützt ist. Der Bau dieser Hütten ist zweckmässig und sehr einfach. Zwei oder drei etwa 8 Zoll dicke Pfosten von schönem, geradem Holze werden so weit von einander in die Erde eingegraben, als die Hütte lang werden soll. Sie sind 10-12' hoch und tragen eine starke Querstange, die so lang ist, als das Haus, und zum Tragen des Daches bestimmt ist. Vier Pfosten von etwa 4' Höhe sind an vier Ecken in die Erde eingerammt, und tragen zwei mit der Mittelstange parallel laufende Stangen von gleicher Länge. An dieses Rahmenwerk wird eine gewisse Anzahl leichter Stangen mit Buschtau festgebunden und im Gipfel des Hauses an die grosse Querstange befestigt.

Die Blätter der grossen Heliconie werden in der Mittelrippe zusammengelegt, und ein Blatt neben das andere mit Lianen angereift.

Nachdem durch das Zusammenfügen vieler dieser grossen Blätter ein ansehnliches Stück des Daches gemacht ist, wird dieses mit Sparren und Stangen beschwert und bleibt so lange auf dem, zuvor sorgfältig gesäuberten Boden liegen, bis die steifen Blätter etwas welk geworden sind und das ganze Stück sich zusammenrollen lässt. Man befestigt sodann das eine Ende am Giebelbalken mit starken Lianen, und entrollt die Decke. Diese Stücke sind gerade so lang, als die Blätter breit sind, etwa 7-8' lang, und es werden desshalb ihrer so viele verfertigt, als die Länge des Hauses erfordert. An das erste wird das zweite, etwas über jenes, und so jedes Stück gelegt, damit der Regen nicht eindringen kann.

Sind beide Seiten des Daches auf diese Weise gedeckt, so wird mit künstlich zusammengeflochtenen Cumublättern der Giebel bedeckt.