Die bei der Gewinnung des Opiums benutzten Messer sind sehr eigenartig. In Kleinasien werden zum Anschneiden der Mohnköpfe Messer aller möglichen Formen benutzt, einmal solche, denen die Spitze abgebrochen wurde ([Fig. 134]), dann solche mit gesägter Klinge ([Fig. 135]), aber auch Uhrfedern, Glasscherben u. a. mehr. Die Benutzung der letzteren erklärt besonders einleuchtend das ständige Vorkommen von Fruchtwandepidermisfetzen im kleinasiatischen Opium, da die Wand der Frucht durch sie nicht eigentlich geritzt, sondern eingerissen wird. In Kleinasien wird nur ein Horizontalschnitt geführt.

Fig. 155.
Manikot mit Messerstichen angezapft (Indien).
[F. O. Koch phot.]

In Vorderindien (Bengalen) bedient man sich des Naschtar (Nushtur, [Fig. 133] u. [137]), das aus drei, vier, seltener fünf schmalen Eisenblechen von etwa 15 cm Länge und der Dicke einer Federmesserklinge besteht, die oben 2,5 cm breit, dort tief eingekerbt und in scharfe Spitzen ausgezogen sind, und durch Umwickeln mit starken Baumwollfäden c. 1,5 mm auseinandergehalten werden. Es werden Vertikalschnitte ausgeführt ([Fig. 125]) und zwar an 2 bis 6 Stellen der Kapsel, in Intervallen von 2–3 Tagen. In Persien wird ein ähnliches Messer benutzt und die Kapsel horizontal, schräg oder vertikal nach und nach an allen Seiten angeschnitten ([Fig. 126]).

Fig. 156.
Guttaperchagewinnung auf Sumatra.
Der zweite Kuli von links trägt die Instrumententasche und das Beil (baliung), das zum Fällen des Baumes benutzt wird. Der vierte macht mit dem breiten Messer (lading) die Einschnitte. Der erste und dritte kratzen den ausgeflossenen Milchsaft mittelst eines spitzen Kratzers in den aus den Blättern von Areca Catechu hergestellten Spitzbeutel.
[Tschirch phot.]

In China werden die Kapseln mit einem dreischneidigen Messer an 3–5 Stellen vertikal angeschnitten. Auch in Ägypten wird der Naschtar oder die kleinasiatische Methode benutzt, jedoch zwei oder drei Einschnitte gemacht.

Mehrklingige Messer, die zum Teil bis auf die Spitze mit Schnur umwickelt waren oder abgerundete Spitzen besaßen, wurden bei Erfurt, bei Clermont Ferrand, bei Darmstadt und in Württemberg benutzt (LINDE, Zur Gewinnung des Opiums, Apoth. Zeit. 1905).

Die Entwicklungsphase der Kapsel, bei welcher sie angeschnitten wird, ist nicht überall die gleiche. In Kleinasien und in Vorderindien werden die jungen Früchte einige Tage nach dem Abfallen der Blumenblätter, in Armenien 20–25 Tage nach dem Abblühen (GAULTIER), in Ägypten, sobald sie ihre normale Größe erlangt haben (SAVARESI), in Persien, wenn sie sich der Reife nähern, angeschnitten. Der beste Zeitpunkt ist 10–14 Tage nach dem Abfallen der Blumenblätter (HESSE).

Zum Abkratzen der eingetrockneten Tropfen bedient man sich in Indien eines schaufelartigen Instrumentes (Situah [Fig. 138]).