Neuerdings wird als Ersatz des Olivenöls viel Arachisöl und Baumwollsamenöl gepreßt.

Eigenartig ist die Gewinnung des Ricinusöls in Indien. Die Samen werden zuvor erhitzt («geröstet»), durch sanften Druck von den Schalen befreit und zwischen warmen Plattenpressen gepreßt. Das bei 20–30° gepreßte ist das beste. Dann steigert man die Preßtemperatur. Das Öl wird sodann solange mit Wasser gekocht, bis alles «Eiweiß» abgeschieden ist, die Abscheidung abgeschöpft und das Öl in flachen Gefäßen einige Tage stehen gelassen. Dann wird es in c. 70 Liter fassende Tonkrüge gefüllt, die bis zur Öffnung in Erde eingegraben werden (SCHULTE AM HOFE).

Durch Auspressen des von der Schale getrennten Fruchtfleisches der Citrone wird übrigens auch der Citronensaft gewonnen ([Fig. 176]).

Einige Drogen werden durch Auskochen der betreffenden Pflanzenteile (Catechu, Agar-Agar) oder durch Anschneiden und Eindicken des ausgeflossenen Saftes (Capaloë) dargestellt. Dabei geht man dann in der Weise vor, daß man die eingedickte, halb erkaltete Masse, sei es in Würfel (Gambier, [Fig. 177]), sei es in schmale oder prismatische Stücke (Agar-Agar) schneidet oder in Kisten bezw. Kalebassen ausgießt und in diesen vollends erkalten und erhärten läßt (Aloë).

Fig. 182.
Kessel zum Auskochen und Presse zum Auspressen der Lappen bei der Perubalsamgewinnung in San Salvador.
[Preuß phot.]

Die Gewinnung der Aloë aus den Blättern der Aloë ferox habe ich (1907) nach Berichten von DR. MARLOTH in Kapstadt, wie folgt, geschildert.

«Die Gewinnung des Saftes geschieht noch immer nach der alten primitiven Methode. Eine flache Vertiefung im Boden wird mit einer Ziegen- oder (wo möglich) Pferdehaut bedeckt. Die abgeschnittenen Blätter ([Fig. 178]) werden rings herum zu einem kuppelartigen Bau von 1 m Höhe aufgepackt ([Fig. 179]). Nach einigen Stunden werden die Blätter einfach beiseite gestoßen und der ausgelaufene Saft in ein Gefäß gegossen, das meistens ein leerer Petroleumbehälter ist ([Fig. 180]). Am Abend wird dann der Saft in eisernen Töpfen über freiem Feuer ziemlich achtlos eingekocht ([Fig. 181]). Diesem Umstande verdankt die Droge ihre dunkle glasige Beschaffenheit.

Das Eintrocknen über freiem Feuer ist eine sehr beschwerliche Arbeit, denn es muß fortwährend gerührt werden, um das Anbrennen zu verhindern. Dabei greift aber der entweichende Dunst die Augen der Arbeiter sehr an. Wird nicht genügend eingekocht, so läuft die Masse nachher zusammen, wird zu lange gekocht, so brennt sie teilweise an. Aus diesem Grunde scheinen viele der Aloë-Sammler es jetzt vorzuziehen, den Saft an Fabriken zu verkaufen, anstatt ihn selbst einzukochen.

Neuerdings hat nämlich ein Unternehmer die Sache insofern verbessert, als er von den Eingeborenen den Saft kauft und ihn in flachen Holztrögen an der Sonne eintrocknen läßt, nachdem er einer gelinden Gärung überlassen wurde. Diese neue Sorte kommt unter der Marke «Crown-Aloë» in den Handel.