Ganz dezentralisiert ist die Gewinnung des Rosenöls in Bulgarien, wo über zahlreiche Dörfer, besonders in der Gegend von Kezanlik, hunderte von primitiven Destillierblasen zerstreut sind, die nur zur Zeit der Rosenblüte in Tätigkeit gesetzt werden ([Fig. 163] u. [164]). Dann auch die Fabrikation von Oleum pini pumilionis in der Schweiz (z. B. im Emmental). «Flottante Destillierblasen», Alembics voyageants ([Fig. 161]) finden wir bei den wandernden Destillateuren von Lavendelöl, die die duftenden Berge Südfrankreichs durchziehen und für kurze Zeit dort ihre Destillerie errichten, wo sie gerade gute Erträge zu erzielen hoffen. In größeren Fabriken zentralisiert ist dagegen die Fabrikation der ätherischen Öle bei Miltitz (SCHIMMEL & CO., [Taf. III]), Pirna (HÄNSEL), Grasse (ROURE BERTRAND FILS u. and.).

In die Reihe der Destillationen mit Wasserdampf (s. auch das Kapitel [Pharmakochemie]) gehört auch die Kampferdestillation in Japan und China, der dann eine Sublimation des Produktes und — häufig auch — eine Komprimierung folgt, die Colophoniumgewinnung durch Destillation der Terpentine ([Fig. 159] u. [160]) — aber nicht die Darstellung des «Harzöles», das vielmehr durch trockene Destillation des Colophoniums gewonnen wird. (Vgl. das Detail in meinem Buche: Harze und Harzbehälter, 1906).

Fig. 180.
Aloëbereitung am Kap. Der in die Ziegenfellmulde ausgeflossene Saft wird in Kanister ausgegossen.

Das Auspressen der fetten Öle, das zuerst, wie es scheint, bei der Olive (2000 v. Chr. oder noch früher), sehr früh auch bei der Mandel geübt wurde, ist jetzt durch Einführung der hydraulischen Plattenpressen, die schon vor 20 Jahren ihren Weg selbst in die Cocosölpressereien von Ceylon gefunden hatten — ich sah in den Mills in Colombo nur noch mit ihnen Öl pressen — auch in außereuropäischen Ländern sehr vervollkommnet worden. Wenig, z. B. auf entlegenen Inseln, findet man noch die alte Cocosölpresse ([Taf. XVI] u. [XVII]), in italienischen und südfranzösischen Dörfern die primitive Olivenölpresse ([Fig. 174]) mit dem Fiscolo ([Fig. 173]), auf den Bandainseln und auf Java noch die alte Presse für Muskatbutter, wie sie schon vor 200 Jahren dort üblich war.

Die Oliven kommen in Italien erst in steinerne runde Rinnen mit rundumlaufenden Mühlsteinen (Frantojo, [Fig. 174] links). Dort werden sie zu Brei gemahlen und dann in die eigenartigen, aus Halphagras und Baststreifen geflochtenen Körbe, die sog. Fiscoli ([Fig. 173]) geschoben. Diese werden, 20–25 Stück übereinander, unter einer Holzpresse aufgetürmt und dann gepreßt (erste Pressung). Dann kommt der Preßrückstand in eiserne hydraulische Pressen mit eisernen durchlöcherten Mänteln, die zu öffnen sind (zweite Pressung), die Trester liefern dann mit Schwefelkohlenstoff noch 10% Öl (Sulfuröl), der Rest ist gutes Brennmaterial für Dampfmaschinen. Man rechnet 30% des Gewichts der Oliven Öl, 20% Feuchtigkeit. Das Öl wird in eigenartigen Filtrierapparaten filtriert, in denen sich zahlreiche Zylinder aus durchlochtem Blech, die mit einem Siebboden unten geschlossen und mit Baumwolle gefüllt sind, befinden. Das Öl kommt dann in eine gemauerte Zisterne (postura). Neuerdings ist mit Erfolg das Pressen der Olive durch Zentrifugieren der erwärmten geöffneten Früchte ersetzt worden. Das Verfahren erschöpft die Frucht vollkommen. Das beste Öl liefern ein wenig vor Vollreife gesammelte Oliven, das meiste, von normaler Beschaffenheit, genau reife.

Fig. 181.
Einkochen des Saftes der Aloe ferox in Kesseln durch Kaffern. Im Hintergrunde die blühende Pflanze.

Daß die Gewinnung des Olivenöls in Italien — unter Benutzung von Strohkörben — sich mindestens seit dem XVI. Jahrh. nicht wesentlich geändert hat, zeigt die [Abbildung 175].

Die Olivenölpressung ist in Italien und der Provence ganz dezentralisiert. Jeder Bauer, der eine gewisse Anzahl von Olivenbäumen besitzt, hat auch seine kleine Ölmühle (trappeto).