Fig. 200.
Auslesen der Rosenblumenblätter in Grasse.

Auch die arabische Sitte, eingedickte PflanzensäfteRoob, Rob, Rubb — darzustellen, ist heute nur noch bei wenigen Früchten (Sambucus, Juniperus) beibehalten worden. Das Dorf Trimmis (Graubünden) erzeugt jährlich mehrere 100 kg Succus Sambuci.

Man ist übrigens wie bei der Verpackung auch bei der Erntebereitung ziemlich konservativ. Das Umbaopopanax scheint auch heute noch auf die gleiche Weise dargestellt zu werden wie im Altertum. Das gleiche gilt wohl von der Aloë.

Wie konservativ man bei der Indigofabrikation geblieben ist, lehrt der Vergleich zwischen der Abbildung der Indigobereitung, die ich aus POMET, Hist. gener. des drogues 1694 wiedergebe ([Fig. 193]) und einer modernen Anlage ([Fig. 194]), die ich dieser gegenüberstelle.

Oft ist das geerntete Produkt nicht ganz rein und es muß dann ein Auslesen oder Sortieren erfolgen. Dies geschieht bei vielen Drogen schon beim Produzenten. Die Teeblätter ([Fig. 197]), die Muskatnüsse ([Fig. 198]) und die Chinarinde ([Fig. 199]) werden «verlesen», bevor man sie verpackt, Rosenblätter ([Fig. 200]), bevor man sie destilliert. Besonders sorgfältig geschieht das Sortieren beim Deckblattabak in Sumatra ([Fig. 195]). Bei der Cubebe, den Umbelliferenfrüchten u. a. werden die Stiele entfernt. Die Gummis und Harze werden sortiert. Vielfach geschieht das Auslesen aber auch erst in den Stapel- und Hafenplätzen oder gar erst in den Einfuhrhäfen in Europa oder bei den inländischen Großdrogenhäusern. Das gehört dann also schon in das Kapitel «Behandlung der Droge im Einfuhrhafen» ([s. d.]).

Eine besondere Form des Auslesens ist das «Reppeln», das darauf beruht, daß man die groben wertlosen Teile von der eigentlichen Droge durch Rüttelsiebe abtrennt. So wird die Kusso gereppelt, d. h. die zarten Blüten von den derben Infloreszenzaxen getrennt, so werden durch Reppeln auf Rüttelsieben die Sekretdrüsen und die Büschelhaare, die die Kamala bilden, von den Früchten des Mallotus philippensis und jene, die das Lupulin bilden, von den Fruchtschuppen der weiblichen Infloreszenz der Hopfenpflanze abgelöst.

Bei der Baumwolle werden die Fruchtschalreste entfernt. Dann werden die Haare und Samen getrennt (Egrainieren). Die Samenschalhaare bilden die Baumwolle, der Samen liefert das Baumwollsamenöl.

Fig. 201.
Stampfen der zerkleinerten Chinarinde, um ihr Volumen zu verringern, auf Java.

Einige Rinden werden auch schon im Produktionslande auf eine bestimmte Länge zurechtgeschnitten. Bei den Chinarinden geschieht dies in Java, um sie gut und mit möglichster Raumersparnis in den Kisten unterbringen zu können. Beim Ceylonzimt werden die aus mehreren zusammengeschobenen Rinden gebildeten Röhren meist genau auf 1 m gebracht ([Fig. 196]), aus denen dann die Fardelen gebildet werden. Fardello bedeutet Bündel. Schon in PAXIS Taripha (s. [Geschichte]) findet sich: «Canelle longe in fardo». Die Packung scheint also sehr alt zu sein.