Von europäischen Häfen, die Drogen importieren, kommen in erster Linie London ([Taf. XXVI] u. [XXVII]), Hamburg ([Fig. 271] u. [272]), Amsterdam, Rotterdam, Antwerpen, Liverpool, Genua (Taf. XXV), Havre, Marseille ([Fig. 256]), Lissabon und Triest, für Nordamerika New York ([Fig. 265]) in Betracht. Der javanische Chinarindenhandel hat seinen Hauptsitz in Amsterdam, der ostindische in London, südamerikanische Chinarinde und Rhabarber werden in Hamburg und London, Campher viel in Hamburg gehandelt.

In diesen Häfen wird die Ladung gelöscht. Entweder legen die Dampfer direkt an den Dockhallen an und die Ballen, Fässer und Kisten werden, nachdem sie aus dem Schiffsraum emporgewunden sind, in die betreffende Dockhalle gebracht. So geschieht dies z. B. in London, wo die London- und Katharinendocks direkt an der Themse resp. an Themsebecken liegen ([Taf. XXVI] u. [XXVII] u. [Fig. 257]). Oder die Güter werden zunächst auf Leichter umgeladen und gelangen auf diesen in die Speicher. So geschieht es z. B. in Hamburg ([Fig. 271] u. [272]) und Amsterdam ([Fig. 267]). Natürlich ist der erste Weg der kürzere, daher stellt man jetzt die Dockhallen möglichst auf die Piers im Hafen selbst.

Die weitere Behandlung, die die Droge nun erfährt, ist verschieden.

In London werden von allen eingetroffenen, in den einzelnen Räumen verteilten Drogenkisten oder -ballen ([Fig. 258][260]) ein oder mehrere der gleichen Sendung in einen der Ausstellungsräume im Warehouse ([Fig. 261] u. [262]) gebracht, die Ballen und Kisten geöffnet, die Blöcke (der Benzoë z. B.) durchschlagen, in Reihen angeordnet und mit Nummern am Boden versehen. Bei jeder Abteilung ist der Verkäufer durch ein großes Schild mit dem Namen der Importfirma gekennzeichnet ([Fig. 262]). Diese Säle sind in den Geschäftsstunden frei zugänglich. Die Kaufliebhaber (meist whole sale druggists) durchwandern sie, mustern die Drogen und machen sich ihre Notizen. Von den hier ausgestellten Drogen sind dann auch meist noch kleinere Muster (Samples) in den Show-Räumen bei den den Verkauf vermittelnden Agenten, den Brokers für Drogen in Mincing Lane, zu sehen, von denen es 1903 15 gab. Auch dort kann man die Proben besichtigen ([Fig. 263]). In einem besonderen Saale, der London Commercial Sale rooms, werden dann an bestimmten Tagen, meist Donnerstags, die Auktionen vorgenommen. Ein amtlich angestellter Auktionator bietet die lots (Lose) nach schon mehrere Tage vorher gedruckt verteilten, langen, schmalen Listen aus und erteilt eventuell den Zuschlag. Eine dieser charakteristischen Listen, die ich bei einem Besuche der Docks und der Brokers 1903 in großer Zahl mitgebracht hatte, teile ich im folgenden (in der Beilage) mit. Sie liegen bei den Brokers auf und mit ihnen in der Hand durchgehen die Käufer, den Bleistift in der Hand, den Zylinder im Nacken (das ist hier Kleiderordnung!) die in den Show-rooms ausgestellten Muster ([Fig. 262]).

Fig. 262.
In dem Ausstellungssaale eines Londoner Warehouse. Jede Abteilung trägt den Namen des Brokers. Die Packungen sind geöffnet. Die Kaufliebhaber zirkulieren mit den Auktionslisten in der Hand, deren Nummern mit denen der Muster übereinstimmen.

Ist die Droge in der Auktion nicht verkauft worden, so bleiben die Vorräte in den Warehouses der Docks, wo sie bis zu einer günstigeren Gelegenheit lagern können. Platz genug ist jetzt dort, da der Chinarindenhandel sich jetzt fast ganz nach Amsterdam gezogen hat und Hamburg eine scharfe Konkurrenz macht. Man klagt in London allgemein, daß die Einfuhr zu klein und die Docks zu groß sind. Einige Drogen bezieht London schon jetzt via Hamburg und Amsterdam.

Drogen lagern besonders im: Friars Warehouse, Smith Warehouse, Drug Warehouse, London Dock ([Taf. XXVI] u. [XXVII]), St. Katharines Dock, New Crane Wharf, Cotton Wharf, Davis Wharf, Metropolitan Wharf, Red Bull Wharf, Sharps Wharf, Brooks Wharf, Wilsons Wharf, New Hibernia Wharf, St. Johns Wharf, Gun Wharf, Symons Wharf, Red Lion Wharf, Nicholsons Wharf, South Eastern Wharf. Die London und Katharinendocks liegen an der Themse in der Stadt, nicht weit von Towerbridge, die anderen themseabwärts.

Fig. 263.
Bei einem Londoner Broker. Von den zur Auktion kommenden Drogen sind Muster auf den Tischen ausgelegt. Die Nummern derselben korrespondieren mit den Nummern der Auktionsliste und den Nummern im Schausaal (Fig. 262).