Eine Welthandelssprache gibt es nicht. Doch ist das Englische unter allen Handel treibenden Nationen so verbreitet, daß man auch im Großdrogenhandel nicht ohne diese Sprache auskommt, die sehr dem, was man eine Welthandelssprache nennt, nahe kommt. Denn während der Holländer die Sprachen der von ihm unterworfenen Völker erlernt — auf Java ist z. B. das Malaiische für den Verkehr nötiger als das Holländische — verlangt der Engländer, daß die Vasallenvölker Englisch lernen. Auf Ceylon und in Indien ist daher Englisch Handelssprache. Als Elisabeth den Thron bestieg, sprachen weniger Menschen englisch, als jetzt in London wohnen, jetzt umspannt das Englische den ganzen Erdball. «Es durchbrach die Schranken der Kontinentalität und nahm die Größe des Ozeans zum Vorbilde.»
In Afrika und den angrenzenden Teilen Asiens ist das Arabische im Handelsverkehr weit verbreitet, da die Zwischenhändler oft Araber sind. «Allah iberack l’ak» (Möge Gott es Euch gedeihen lassen) ist eine arabische Formel, deren Aussprache den Kauf abschließt.
In Ostasien und in vielen Hafenplätzen, wo Chinesen Handel treiben, ist das Chinesische Handelssprache, wie auf den südasiatischen Inseln das Malaiische. Besondere Handelssprachen, die sich im Laufe der Zeit entwickelt haben und die ein für praktische Zwecke zurechtgemachtes Mischmasch verschiedener Sprachen darstellen, sind z. B. die Lingua franca, die aus dem Italienischen entstanden und mit Brocken aus allen möglichen Sprachen des Mittelmeerbeckens gemischt ist. Sie wird besonders in Smyrna gesprochen, wo so viele Sprachen durcheinander schwirren, wie einst im Altertum in Dioskurias am Pontus Euxinus. Dann das in den europäischen Häfen von China und weiter südlich verbreitete Pitchén-English (von pi tschen, so spricht der Chinese business aus), ein Gemisch von Englisch und Chinesisch — das ich ziemlich rasch verstehen lernte — das Neger-Englisch an der Kongoküste, das Kisuaheli, der Nigre tongo, Dschue tongo (in Surinam), die Lengua geral (in Brasilien) u. a. m.
Der Warenballen ist in weit höherem Grade ein Verbreiter der Gesittung als die Person des Kaufmanns. Den Haupthebel für die Tätigkeit des letzteren bildet zunächst allemal der Gewinn; er will handeln und erwerben, nicht zivilisieren. ANDREE.
V. Pharmakodiakosmie.
Die Pharmakodiakosmie (von διακοσμεῖν = sortieren) beschäftigt sich mit den Handelssorten und den Verpackungen der Drogen.
1. Handelssorten.
Schon das Altertum kannte Handelssorten. Beim Anis z. B. führt DIOSCURIDES an, daß der kretische besser sei als der ägyptische. Ja schon zur Zeit der Pharaonen unterschied man schwarzes, weißes und rotes Fatti (d. h. Mastix).
Wir wissen (HÜLLMANN, Handelsgeschichte der Griechen, 1839), daß die Griechen, die einen lebhaften Handel mit dem Orient trieben, Majoran aus Tenedos, Creta, Chios und Heraclea, Senf aus Cypern, Thymian vom attischen Hymettos, Safran von Rhodos und Kyrene, Helleborus von Thessalien und Böotien, Silphium von Kyrene als Handelssorten unterschieden.
Handelssorten erwähnt auch PLINIUS besonders bei den Harzen, beim Bdellium beschreibt er die Unterschiede zwischen der peratischen und der indischen Sorte, beim Olibanum erwähnt er drei Sorten, beim Mastix zwei, bei der Myrrha gar sechs (resp. acht): die troglodytische, die minäische (die atramitische, ansaritische), die dianitische, die «collatitia», die sambracenische und die dusaritische.