Der Versuch, Pflanzen außerhalb ihrer Heimat zu kultivieren, ist uralt. Jahrtausende vor unserer Zeitrechnung schon legte die Königin HATSCHEPSUT ein Treibhaus für Heilpflanzen an und ließ lebende Weihrauchpflanzen mit den Wurzelballen nach Ägypten bringen, um sie dort zu kultivieren.
Uralt ist die Kultur des Lein. Linum usitatissimum ist eins der allerältesten Kulturgewächse des Orients, z. B. Ägyptens (IV. Jahrtausend v. Chr.), wie Linum angustifolium (die Urform des Lein) des Nordens. Letzteres wurde z. B., wie Pfahlbaufunde zeigen, in der jüngeren Steinzeit in der Schweiz gebaut. Ricinus wurde im alten Ägypten angebaut, wie Gräberfunde von Samen schon aus der Zeit der XII. Dynastie zeigen. Uralt ist die Kultur der Indigopflanze in Indien und Ägypten. Indigo läßt sich bereits an Mumien aus dem Jahre 1580 v. Chr. nachweisen. Sehr alt sind auch die Mohnkulturen, denn schon in den Pfahlbauten (c. 2000 v. Chr.) finden sich Mohnsamen. Auch eine Mohnkultur zwecks Opiumgewinnung scheint in den Ländern südlich vom Schwarzen Meer ziemlich frühzeitig geblüht zu haben. Die griechische Stadt Sicyon heißt bei HESIOD Mekone, «Mohnstadt». Daß Pfefferminze oder wenigstens eine nahe verwandte Menthaart im alten Ägypten kultiviert wurde, ist durch einen Grabfund aus der Zeit zwischen 1200 bis 600 v. Chr. und durch Inschriften bezeugt. Noch älter sind die Zeugnisse für das Vorhandensein einer Corianderkultur daselbst, sowie der Kultur der Feige (XII. Dynastie).
Die Kultur der Dattel schildert bereits THEOPHRAST. Vielleicht bestand auch bei den Israeliten so etwas wie eine Heilpflanzenkultur oder doch -pflege, da wiederholt in der Bibel von Würzbergen, Weihrauchhügeln, Myrrhenbergen die Rede ist S(CHELENZ). Daß bei Jericho zur Zeit des Herodes «Balsamgärten» bestanden, ist erwiesen.
PLINIUS gibt zahlreiche Kulturvorschriften. Das ganze 17. Kap. z. B. handelt von angepflanzten Bäumen und das 19. Kap. von der Kultur der Gartengewächse. Er gibt auch an, wann einige derselben zuerst nach Italien gebracht wurden.
Bei Beginn unserer Zeitrechnung muß in Ägypten eine ziemlich umfangreiche Arzneipflanzenkultur bestanden haben, denn oft wird bei Drogen (z. B. Anis) eine ägyptische Sorte erwähnt.
Auch Kulturen der Mastix-Pistacie bestanden schon im frühen Altertum.
Die Mandel (nuces oder avellanae graecae) wurde im Altertum besonders in Griechenland kultiviert. Der Weinstock wurde durch die Phönizier zuerst nach den Inseln des Archipelagus und von dort durch eine Kolonie von Phokiern nach Marseille gebracht. Nach den ersten griechischen Feldzügen dehnte sich der Weinbau über ganz Süditalien aus und schon im V. Jahrh. v. Chr. war Italien das Hauptweinland. Citrus medica, die schon THEOPHRAST beschreibt, wurde im I. Jahrh. n. Chr. in Italien akklimatisiert, Pomeranze und Zitrone kamen aber erst zur Zeit der Kreuzzüge nach Italien. (Der Apfel des Paris, die Äpfel der Hesperiden waren Quitten.) Die Kultur der Orangen (Hesperides), der ersten und lange Zeit einzigen Gewächshauspflanze, besang JOVIANUS PONTANUS in dem Werke Hesperidum libri II, Flor. 1514. Dieser Kultur gedenkt auch MONARDES (1565).
Der Anbau der Feige in Italien scheint in die Zeiten der griechischen Kolonisation zurückzureichen. Der erste Anbau der Feige in Griechenland fällt in die späthomerische Zeit (HEHN). Die Mandel ist wohl zur Zeit CATOS eingeführt worden. Den Anbau des Ölbaums lernten die Römer von den Griechen zur Zeit der TARQUINIER kennen. Der Granatbaum war in Italien seit CATOS Zeiten allgemein verbreitet. Aber erst die Araber brachten das Zuckerrohr, die Mannaesche (?) und die Baumwollstaude nach Sizilien (WENRICH).
Im Altertum war Kreta ein bekanntes und zeitweise berühmtes Zentrum der Arzneipflanzenkultur, gegen dessen Arzneipflanzenmonopol in späterer Zeit vielfach angekämpft wurde mit der Begründung, daß auch außerhalb Kretas sicher ebensogute Arzneipflanzen gezogen werden können (s. [Geschichte]).
Von den Rhizotomen und wohl auch den Pharmakopolen der Griechen dürfen wir annehmen, daß sie einige der Pflanzen, die sie den Ärzten lieferten, anbauten. Daß dies bei den Römern geschah, ist sicher. Das ersehen wir schon aus den Werken der römischen Schriftsteller über Landwirtschaft, CATO, VARRO, VERGIL, COLUMELLA, PALLADIUS u. a., von denen im historischen Teile die Rede sein wird. Bei PALLADIUS z. B. wird bereits die Kultur von Anis, Coriander, Cydonia, Malve, Serpyllum, Inula, Foeniculum direkt erwähnt. Während sich zur Zeit des TARQUINIUS (571 v. Chr.) noch kein Ölbaum in Italien befand, scheint Marseille schon um 600 v. Chr. solche besessen zu haben, die wohl von den Phöniziern dahin gebracht wurden. Unter APPIUS CLAUDIUS waren aber die Ölbaumkulturen in Italien schon so zahlreich, daß 249 v. Chr. 12 Pfund Öl nur 8 Pfennige kosteten und unter POMPEJUS schon Öl exportiert werden konnte. Die Gewinnung des Olivenöls schildert PLINIUS ausführlich.