Und auch im Orient stoßen wir schon in sehr früher Zeit auf Anfänge einer Heilpflanzenkultur. Die Crocuskultur z. B. läßt sich in Persien bis ins X. Jahrh. verfolgen (EDRISI und ISTACHRI). Der Kalender des HARIB berichtet von Arzneipflanzenkulturen in Spanien im X. Jahrh. Es wurde dort Melisse, Majoran, Reis, Crocus, Zuckerrohr, Mohn, Senf gebaut, und HARIB gibt an, wann diese zu pflanzen oder zu säen und wann sie zu ernten sind.
Sehr alt ist jedenfalls auch die Tabakkultur in Südamerika, die sich schon vor der Entdeckung Amerikas auch nach Nordamerika bis nach Canada hin verbreitet hatte. Das alte Mexiko besaß nicht nur die berühmten königlichen Gärten von Hoaxtepec (bei Mexiko), über die schon CORTÉS 1522 an Kaiser Karl V. berichtete und in denen z. B. der Perubalsambaum (Huitziloxitl) gezogen wurde, sondern auch zahlreiche andere, vorwiegend der Arzneipflanzenkultur dienende botanische Gärten. FERNANDEZ berichtet (1514–1523) von Cacaogärten in Mexiko.
Den Garten der Königin ULTROGOTHO in Paris (um 560) kennen wir aus FORTUNATUS Gedichten.
Die Teekultur in China — die Teepflanze stammt aus Assam — ist alt. Sie scheint bis ins IV. Jahrh. zurückzureichen (?), doch erst im IX. Jahrh. größeren Umfang angenommen zu haben. In Japan begann umfangreichere Teekultur erst im XV. Jahrh.
Jedenfalls uralt ist die Kultur der Hennah (Lawsonia alba), die schon in sehr früher Zeit sich von Persien über Indien und Nordafrika verbreitete. Sehr alt sind wohl auch die Kulturen der als Zuspeise benutzten Angelica in Island und Norwegen.
Der Anbau des Krapp, der ebenfalls schon im Altertum kultiviert wurde, wurde von KARL DEM GROSSEN empfohlen, verbreitete sich aber in Frankreich erst einige Jahrhunderte später, erlosch dann und war im XVI. Jahrh. fast nur auf Holland beschränkt. Im XVIII. Jahrh. blühte der Krappbau in Frankreich und wurde von dort aus auch nach dem Elsaß übertragen. In Böhmen und Schlesien blühte er seit dem XIV. Jahrh. Den größten Aufschwung nahm der Krappbau im XIX. Jahrh. durch die Einführung der roten Hosen beim französischen Militär. Jetzt ist er durch die Entdeckung der künstlichen Darstellung des Alizarins bis auf kleine Reste vernichtet.
«Der große Wohlstand, der in den letzten Jahrhunderten des Mittelalters in Deutschland herrschte, wurde nicht zum geringsten durch den Anbau von Farbpflanzen bedingt» (LAUTERBACH). Es wurden in erster Linie Waid (Isatis tinctoria), dann Krapp (Rubia tinctorum), seltener Wau (Reseda luteola), Scharte (Serratula tinctoria) und Färbe-Ginster (Genista tinctoria), aber auch Safran und Saflor für Färbezwecke gebaut, und Deutschland versorgte besonders mit den zuerst genannten auch das Ausland.
Waid, die wichtigste Färbepflanze des Mittelalters, muß aber schon von den Briten und Galliern um Christi Geburt gebaut worden sein, von den Slaven wohl schon vor ihrer Unterwerfung unter die Deutschen. Doch datiert die älteste deutsche Urkunde über größere Waidkulturen erst aus dem Jahre 1236. Am Ende des XIII. Jahrh. bestand ein umfangreicher Waidbau besonders in Thüringen, dann bei Magdeburg, in Sachsen, Braunschweig, Schlesien, am Niederrhein, bei Nürnberg und in Österreich. Die Dörfer, die Waid bauten, mußten ein bestimmtes Waidgeld entrichten. Die Erfurter «Waidaristokratie» war so reich, daß sie 1392 die Mittel für Gründung und später auch für Erhaltung der ehedem berühmten Universität Erfurt aufbringen konnte, die also gewissermaßen aus den Erträgnissen der Waidkultur errichtet wurde. Die Einführung des Indigo, die selbst durch die strengsten Gegenverordnungen aus dem XVI. und XVII. Jahrh. nicht aufgehalten werden konnte, führte zum Untergange der einst so ertragreichen Waidanpflanzungen.
Außer Waid wurde Krapp in Deutschland seit den ältesten Zeiten gebaut und seine Kultur, die besonders im XIV. Jahrh. blühte, hielt sich am längsten. Die Kultur des Wau scheint dagegen keinen größeren Umfang erlangt zu haben.
Der Hanf ist sehr wahrscheinlich noch vor der Auswanderung der Angelsachsen nach Nord-Europa gelangt. Die Hopfenkultur wurde aber erst im Laufe des Mittelalters in Nord-Europa eingeführt (HOOPS).