Die Bezeichnung der Handelssorten erfolgt nach sehr verschiedenen Grundsätzen. Die beiden am häufigsten vorkommenden Bezeichnungsarten sind die nach dem Produktionslande (chinesischer Zimt, Pegu-Catechu, holländischer Kümmel, Marokko-Lein, Cordofangummi, französischer Terpentin, amerikanisches Colophonium, persisches Opium, Curaçaoaloe, Bourbonvanille, Bandamacis, syrischer Traganth, Sumatrabenzoë, Ceylonzimt, russisches Süßholz, Javachina, Hondurassarsaparille, Irländisch Moos, Surinam Quassia, bengalischer Ingwer) oder Produktionsorte (Guéwéopium, Gatinais-Crocus, Veroneser Veilchenwurzel, Cuzcococa, Tinevellysenna, Palembangbenzoë, Tortosasüßholz, Tolubalsam), oder dem Ausfuhrhafen (Smyrnaopium, Sansibarnelken, Paytaratanhia, Bombaymacis, Parakautschuk, alexandrinische Senna, Cochin-Brechnüsse, Manila-Elemi, Puorto Cabello-China, Batavia-Dammar, Rio-Ipecacuanha, Maracaibo-Copaivabalsam, Veracruz-Sarsaparille, Tampicojalappe, Trujillococa, Alicante-Süßholz), seltener nach dem Lande, über das die Ausfuhr erfolgt (z. B. Jamaicasarsaparille, da von Mittelamerika meist über Jamaica exportiert). Bisweilen wird aber auch die Stammpflanze als Bezeichnung benutzt (Lärchenterpentin) oder heimische Namen umgemodelt.
Fig. 282.
Schnüren der Fardelen des Ceylonzimts in Colombo.
[Tschirch, Indische Heil- und Nutzpflanzen.]
Seltener werden die Namen der Produzenten als Handelssortenbezeichnung gewählt (Hotschkiss und Toddpfefferminzöl — Duca di Atri-, Baracco-, Solazzi-Succus liquiritiae — Clayssen-, Latapie- und Bisdary-Orlean), oder abgekürzte einfache Marken (J. G. Krone, F. & S. Krone, C. & E. Krone Seronen-Sarsaparille).
Der Kaffee aus Kampongkultur wird in Ceylon «coffee arabian native», der Kaffee aus Plantagenkultur «coffee plantation» genannt.
Ein besonderes Kapitel bilden die falschen und die Phantasiebezeichnungen. Es ist nicht immer klar ersichtlich, ob dieselben zum Zwecke der Täuschung erfunden wurden. Jedenfalls können sie zu Täuschungen über die Provenienz führen. Viele dieser Bezeichnungen sind so eingewurzelt, daß sie nicht mehr zu beseitigen sind. Der Perubalsam (aus Sonsonate in Mittelamerika), das Goapulver (aus Ostbrasilien), das isländische Moos (aus Mitteleuropa), der venetianische Terpentin (aus Tirol) sind nach Ländern benannt, in denen die Stammpflanze der Droge überhaupt nicht vorkommt. Das Scammonium von Montpellier ist weder ein Scammonium, noch kommt es aus Montpellier, das isländische Moos ist weder ein Moos, noch kommt es aus Island.
Aber auch noch neuerdings tauchen derartige Phantasienamen auf. So wurde eine im Kapland nach eigenartigem Verfahren dargestellte Aloë «Ugandaaloë» getauft (in Uganda wächst keine Aloë) und die Bezeichnungen der Handelssorten des Rhabarber: Shanghai, Canton und Shensi sind reine Phantasienamen, die keineswegs die Provenienz, sondern nur einen Handelstyp bezeichnen.
Solche fälschlichen Handelsbezeichnungen kamen schon im Altertum vor. So bemerkt z. B. DIOSCURIDES bei der Narde: «Es gibt zwei Arten Narde, und zwar heißt die eine die indische, die andere die syrische, nicht aber weil sie in Syrien gefunden wird, sondern weil die eine Seite des Gebirges, an dem sie wächst, nach Indien, die andere nach Syrien gerichtet ist.» Und THEOPHRAST bemerkt, daß κερωνία (Ceratonia Siliqua) zwar «ägyptische Feige» heiße, doch nicht in Ägypten wachse, sondern in Syrien.
Mißverständlich ist auch die Bezeichnung Terra japonica für das vom Rioux Lingga-Archipel stammende Gambier. Man wußte ehedem nur, daß es aus dem fernen Osten stamme und vermutete entweder, daß Japan die Heimat sei oder gab ihm absichtlich aus Reklamesucht den auf weite Fernen deutenden irreführenden Namen. Die mißverständliche Bezeichnung für Gummigutt, «gummi de Peru» (z. B. bei REUDEN 1613), ist wohl auf eine Umbildung aus dem ähnlich klingenden malaiischen getah jamu (= heilkräftiger Milchsaft) zurückzuführen.