«Ein merkwürdiges Beispiel bot 1900 Pilocarpus Jaborandi, von der es schwer hielt, in ganz London einen Zentner Blätter aufzutreiben, während Blätter von Rio Janeiro-Jaborandi (Pilocarpus Selloanus) und Maranham-Jaborandi (P. microphyllus) reichlicher zu haben waren. Der Grund dafür lag darin, daß die niedrige Preisnotierung für die nicht offizinellen Sorten, von denen die letztgenannte trotz des geringeren Gehaltes an Pilocarpin doch dem Fabrikanten günstigere Chancen darbietet als die echte Pernambuco-Jaborandi, den Handel in letzteren lähmte und schließlich den Verkauf zu einem Preise veranlaßte, der nicht die Hälfte der Sammlungs- und Verfrachtungskosten betrug. Infolge davon hüteten sich die Schiffer, ihr Schiff mit einer Ware, an der sie Schaden hatten, zu befrachten. Die Verhältnisse werden sich auch kaum anders gestalten, da die Pflanze über kurz oder lang im Mittelmeergebiete in hinreichender Menge kultiviert werden wird, um unseren Bedarf zu decken.

Ein anderer Grund lag dafür vor, daß die von der britischen Pharmakopöe vorgeschriebenen Semina Strophanthi (1900) in England nicht zu haben waren. Die ersten Exporteure dieser Droge aus Nyassaland versandten die einander sehr ähnlichen Samen von drei verschiedenen Pflanzen miteinander gemischt. Die die richtigen Samen liefernde Pflanze hat steifbehaarte Blätter; von den beiden schwächer wirkende Samen liefernden Spezies hat Str. Emini weiche, samtartige Blätter und Schoten mit einem dichten, wolligen Überzuge. Die langen, langgeschwänzten Blumenblätter, welche diese beiden Arten haben, fehlen der dritten Art, Str. Courmontii, die außerdem glatte Blätter hat. Man erkannte die Mischung dieser Samen an dem Verhalten gegen konzentrierte Schwefelsäure, welche die Samen von Str. Kombe grün, die der beiden anderen rötlich färbt. Die Exporteure versuchten, sich ein Monopol zu sichern, indem sie den Ursprung der drei differenten Samen den europäischen Botanikern verschleierten; doch hat die Konkurrenz der billigeren Strophanthussamen aus Westafrika dahin geführt, daß man in Zukunft nun wirkliche Kombesamen aus Nyassa in den Handel bringen wird.

Der niedrige Preis, den die Tubera Aconiti der Alpen haben und der namentlich auch durch die Einführung der japanischen Knollen in England bedingt wurde, führte zu sorgloserer Einsammlung und hat in England eine Vorschrift der Pharmakopöe veranlaßt, wonach die im Lande kultivierten Knollen von Aconitum Napellus zur Bereitung der offizinellen Präparate zu benutzen sind. Immer aber setzt noch jetzt die Konkurrenz der auswärtigen wilden Droge den Preis der Kulturdroge so stark herab, daß kaum die nötige Menge letzterer produziert werden kann.

Die Ursache der Abnahme des Gebrauchs von Scammonium liegt nach HOLMES darin, daß geradezu für bestimmte Märkte eine schlechtere Qualität gefordert wird. Nach Südamerika wird nur Skilip-Scammonium begehrt, das nur 40% Harz enthält. Man hat versucht, das Harz allein als Droge einzuführen, aber hier hat der Wettbewerb in der Billigkeit wieder zwei Produkte in den Handel gebracht, nämlich reines Harz und mit etwas wässerigem Extrakt (durch Perkolation mit Wasser nach Erschöpfung mit Spiritus) versetztes.

Die Nachfrage nach billigem Safran zum Färben von Kuchen und Backwerk in Cornwall führt zum Import des minderwertigen Alicantesafran, der mindestens um einen Schilling pro Unze billiger als Valenciasafran ist.»

Fig. 284.
Verpacken des Absinth in Frankreich. Einstampfen in die Säcke.
[Nach Roure-Bertrand.]

Auch Irrtümer erhalten sich oft lange.

WATTs «Dictionary of the Economic Products of India» sagt, daß das sogenannte ostindische Gummi arab. gar kein indisches Gummi war, sondern von den Häfen des Roten Meeres nach Bombay exportiert und von dort weiter exportiert wird. Ziemlich das Gleiche sagt die Pharmacographia. Obgleich seitdem als inkorrekt bewiesen, finden wir die gleiche Bemerkung in National Dispensatory 1897 und in KINGs American Dispensatory und anderwärts (HEAP).

Es ist aber für den wissenschaftlichen Pharmakognosten sehr schwer, einen Einblick in die Handelsverhältnisse zu bekommen, besonders wenn er nicht in einer Welthafenstadt wohnt. Er erfährt von vielen Vorgängen nichts.