CONRAD GESNER berichtet in seinen Horti germanici über Arzneipflanzenkulturen Mitte des XVI. Jahrh. bei sich selbst in Zürich, durch den Arzt OCCO, in Straßburg durch den Arzt MASSARIUS, in Freiburg im Garten der Mönche, in Rom von SCIPIO im Garten von St. Apostoli, dann in Florenz in den Gärten der Herzöge, in San Gervasio (Venedig) durch den Venezianer PETRUS MICHAELIS und durch den Kaufmann JOAN. SCHMIDLAPPIUS in Schorndorf (Württemberg), und teilt die Liste der von diesen dreien kultivierten Pflanzen mit. PETRUS MICHAELIS in Vico S. Gervasio in Venedig kultivierte über 70 Arzneipflanzen, darunter: Sementina ex Oriente, Canella seu Cinnamomum, Eugenia caryophyllata, Aristolochia, Asphodelus, Carus, Daucus creticus, «Ficus Aegyptica», Faenum graecum, «Hyoscyamus aegypticus», Hyssopus, Nardus montana vera, Mandragora, Smilax lenis ex Creta, Rhaponticum, «Panaces Chironium», Spina cervina, Verbascum viscosum ex Creta u. a. In den Gärten der Herzöge von Florenz fanden sich: Myrtus laurea, Laurocerasus, Solanum somniferum verum, Thapsia, Ferula, Smilax laevis vera und einige andere. In SCHMIDLAPPS Garten waren 114 Arzneipflanzen, darunter: Absinthium rom., Alcea hortens., Calendula, Caryophyllus turcicus, Centaurium majus, Coriandrum venetum, Digitalis Fuchsii major, Elleborus alb. und nig., Gentiana, Hyoscyamus alb., Iris sylvatica, Malva crispa, Melilotus italicus, Melissa major, Papaver crispum, Piper indicum, Pyrethrum odoratum, Solanum indicum u. a. Wie wir durch BOCK und FUCHS wissen, wurde zur selben Zeit der nordafrikanische Anacyclus Pyrethrum in deutschen und (nach DODONAEUS) auch in holländischen Gärten gezogen. RAUWOLF erwähnt (1583) einen Garten von Simplicien des Apothekers SEBASTIAN VOLMAR, Hortulanus des Herzogs von Württemberg in Eßlingen.
Sehr frühzeitig sind amerikanische Drogen, Nahrungs- und Genußmittel nach Europa und Asien übergeführt worden, so früh, daß man für einige, wie z. B. den Mais, die Ananas, Capsicum und Guajac früher sogar asiatischen Ursprung annahm oder sie als an beiden Orten heimisch betrachtete.
Ananas muß schon 1599 in Java kultiviert worden sein, und um die gleiche Zeit Mais in China. Und auch in Europa wurden frühzeitig amerikanische Pflanzen angebaut, so z. B. im Hortus Eystettensis schon Mitte des XVI. Jahrh. Capsicum, Helianthus, Nicotiana, Lycopersicum, Canna, Aloe.
Den Tolubalsambaum zog der Direktor des Chelseagartens bei London, PH. MILLER, aus Samen, die er 1736 aus Cartagena erhalten.
Die ersten Samen der Nicotiana Tabacum brachte der Franziskaner ANDRÉ THEVET 1558 nach Europa. JAQUES GOHORY kultivierte Nicotiana Tabacum bereits 1572 in Paris.
Wie aus den Küchenausgaben des Piaristen-Konvents in Szeged vom Jahre 1750 hervorgeht, wurde aber erst zu dieser Zeit Paprika in Ungarn in Klostergärten gebaut (nicht schon 1585!). In ungarischen Wörterbüchern findet er sich schon 1604. Die Ungarn erhielten den Paprika von den Südslaven (Bulgaren), wo er «Piperka» genannt wird, diese von den Griechen (AUGUSTIN).
Sassafrasbäume wurden schon 1597 und 1633 (JOHNSON) in England kultiviert.
Berühmt war seinerzeit der Garten von JOHN GERARDE (1545–1607). Er war Wundarzt in London und besaß einen botanischen Garten, über dessen reiche Schätze er einen Catalogus arborum, fruticum ac plantarum tam indigenarum quam exoticarum in horto Gerardi nascentium (London 1596, II. Edit. 1599) herausgab. Aus diesem und seinem reich illustrierten Werke: The herball or generall historie of plantes (London 1597) erfahren wir viel über damals neu eingeführte oder bekannte, in England kultivierte Pflanzen und Drogen. So z. B. über Sarsaparille (Ende des XVI. Jahrh. reichlich eingeführt), über Cocculus indicus (schon 1597 in England bekannt), Arnica (Calendula alpina), Cochlearia Armoracia, Herb. Scopariae, in Italien kultivierte Senna, Rosa canina, Capsicum longum (Ginnie Pepper, vor 1597 gut bekannt), Mentha viridis (Mentha romana vel sarracenica, Common Garden Mint), M. Pulegium, Ricinus commun., Aschantipfeffer, Orchisknollen, Veratrum album, Tub. colchici (Mede Saffron). Vor 1597 wurden in England kultiviert: Kirschlorbeer, Datura Stramonium, Thymus vulgar., Sassafras officin., Hopfen, Iris germ. und florentin.
PETER COUDENBERG, ein belgischer Apotheker, «le père de la Pharmacie belge», wie ihn BROECKX nennt, kultivierte um die Mitte des XVI. Jahrh. Guajacum in seinem Garten. Am besten werden wir über das, was um Amsterdam im XVII. Jahrh. kultiviert wurde, orientiert durch das von FREDERIC. RUYSCHIUS und FRANCISC. KIGGELARIUS herausgegebene posthume Werk des JOH. COMMELINUS, Horti medici Amstelodamensis Rariorum tam orientalis quam occidentalis, aliarumque peregrinarum plantarum descript. et. icones., Amsterd. 1697.
Aus dem XVI. Jahrh. sei noch erwähnt: GIAMBATTISTA PORTAS Villae libr. XII, domus, sylva caedua, sylva glandaria, cultus et insitio, pomarium, olivetum, vinea, arbustum, hortus coronarius, hortus olitorius, seges, pratum. Frankf. 1592, ein wichtiges Werk über Land- und Forstwirtschaft, Gartenbau und Verwandtes, in dem alle erdenklichen Nutz- und Heilpflanzen und deren Kultur erwähnt werden, z. B. die Korkeiche, die Stockrose (Alcea rosea) u. a. m.