Fig. 11.
Ansicht von Grasse, dem Zentrum der französischen Industrie ätherischer Öle, links ein alter Olivenbaum.
[Roure Bertrand fils phot.]
Anleitungen zur Kultur einzelner Arzneipflanzen finden sich in beschränkter Zahl schon bei den Alten. Die erste ausführliche Anleitung gab aber erst PIERRE BELON in seinen Remonstrances sur le défaut du labour et culture des plantes, et de la connoissance d’icelles, contenant la manière d’affranchir les arbres sauvages, Paris 1558 (von CLUSIUS ins Lateinische übersetzt und den Exotica angehängt, s. [Geschichte]). BELON, der den Orient kannte, kultivierte selbst einige Heilpflanzen.
Für die Akklimatisation außereuropäischer Heilpflanzen und ihre weitere Verbreitung wirkten natürlich die botanischen Gärten außerordentlich nützlich. Gar oft gelangten Samen oder junge Pflanzen aus der ursprünglichen Heimat zunächst in einen botanischen Garten Europas und wurden von diesem dann weiter verbreitet. Eignete sich die Pflanze zur Kultur in Europa, so wurde sie hier angebaut, war es ein tropisches Gewächs, so wurde sie in eine der Kolonien des Landes gesandt, dem der Garten gehörte. So bildeten lange Zeit die holländischen botanischen Gärten die Vermittelung zwischen Amerika und Niederländisch-Indien. Für die portugiesischen Besitzungen war der botanische Garten in Coimbra wichtig. Und jetzt versorgt der Pariser und Marseiller Garten die französischen, der Garten in Kew die englischen, der Garten in Berlin die deutschen Kolonien.
Fig. 12.
Kina-Etablissement und Chinaplantage in Riung-Gunung (Java) am Rande des Urwaldes.
[Aus Verslag der Gouvernements Kina-Onderneming Java.]
Die Kataloge der botanischen Gärten (Verzeichnis in PRITZEL, Thesaurus) enthalten daher manche Angaben über Akklimatisationsversuche. So erfahren wir, um nur ein Beispiel anzuführen, aus einem solchen, daß Kirschlorbeer schon 1654 in Königsberg kultiviert wurde.
Berühmt ist ja die Rolle, die die botanischen Gärten Hollands, besonders die von Lüttich und Leiden, in der Geschichte der Akklimatisation der Cinchonen und der Vanille in Java gespielt haben. In dem Garten in Lüttich hat MORREN 1836 die künstliche Befruchtung der Vanille erfolgreich ausgeführt. Durch diese Versuche wurde die Überführung der Vanille in ein Land, dem die die Befruchtung vermittelnden Insekten fehlen, erst möglich. (Vgl. auch das Kap. [Pharmakosystematik].)
Tausende von WARDschen Kisten mit lebenden Pflanzen (— WARD publizierte sein Verfahren 1842 —) gehen jetzt alljährlich von den botanischen Gärten Europas in die Kolonien, und Tausende von Samensendungen der tropischen botanischen Gärten, besonders des Buitenzorger Gartens bewirken die Verteilung tropischer Gewächse innerhalb der Tropenzone. Die botanischen Gärten sind die wichtigsten Vermittler der Kultur von Heil- und Nutzpflanzen geworden. In zahlreichen tropischen Gärten, wie im Kultur-Tuin in Buitenzorg, in Peradenija (Ceylon), in Trinidad, in Amani (Ostafrika) u. a. werden fortdauernd Kulturversuche mit den verschiedensten Arzneipflanzen (Coca, Kola, Calumba, Ipecacuanha, Cardamomen, Jalape, Cinnamomum, Myroxylon u. a.) gemacht. Die «Reports» berichten regelmäßig über die Erfolge. Denn die größte Aufgabe, vor die die Pharmakoërgasie gestellt wurde und fortdauernd noch wird, ist ja die Akklimatisation wertvoller Heil- und Nutzpflanzen außerhalb ihrer Heimat.
Fig. 13.
Blick auf den Tankubanprahu (Mitteljava) und die ihn bedeckenden Chinakulturen von Lembang aus. Rechts Reisfelder.
[Tschirch phot.]