Das klassische Beispiel bilden die Cinchonen, die durch MARKHAM und SPRUCE in den sechziger Jahren des XIX. Jahrh. aus Amerika nach Vorderindien, und schon 1854 durch HASSKARL nach Java gebracht worden waren und an beiden Orten sich vortrefflich akklimatisierten — dank der Einsicht und Energie der leitenden Beamten und der eigenartigen Verbindung botanischer Kenntnisse, gärtnerischer Geschicklichkeit und der Sorgfalt chemischer Kontrolle.

«Überblicken wir das ganze Bild der Einführung der Kultur der Chinabäume, so sehen wir, daß sie nicht das Werk eines Mannes, ja auch nicht einmal eines Landes ist, sondern daß gar viele anregend, fordernd, selbst mit angreifend, dabei beteiligt waren. Schon CONDAMINE hatte 1744 junge Cinchonenpflänzchen nach Europa bringen wollen. Sie gingen zugrunde wie die Pflanzen von JUSSIEU. Dann regten ROYLE (1839), FALCONER (1850), FÉE (1842) und in Holland KORTHALS (1829), BLUME (1830), MULDER (1838), VROLIK (1839), MIQUEL (1846), FROMBERG (1848) immer von neuem zur Kultur der China an. Dann brachte — der erste Erfolg — WEDDELL 1848 Calisayasamen in Paris zum Keimen und erzielte in den Gärten von THIBAUT und KETELEER exportfähige Pflanzen. Einige derselben wurden im April 1852 in Java gelandet. Dann kamen zuerst (1854) HASSKARLS, dann (1865) LEDGERS Samen nach Indien. Es folgte (1860) MARKHAMS und SPRUCES erfolgreiche Expedition, die unter Mithilfe von CROSS und TAYLOR Samen und Pflänzchen, besonders von Succirubra, die neben Ledgeriana heute wichtigste aller Arten, sammelten und nach Britisch Indien sandten. Dabei half auch WILLIAM HOOKER mit durch Rat und Tat. MARKHAMS Feuereifer hat dann die indischen Kultivateure entzündet und die Fabrikation billiger Febrifuge durchgesetzt, bei deren Darstellung wieder DE VRIJ half.» (TSCHIRCH, Die Chinologen des XIX. Jahrh. Schweiz. Wochenschr. f. Chem. u. Pharm. 1900).

Jetzt stehen in Java c. 9 Millionen Cinchonen allein in den Regierungsplantagen und wohl zehnmal mehr in den Privatpflanzungen.

Die ersten Versuche, Cinchonen in Afrika anzupflanzen, erfolgten in Algier (1849). Dorthin gelangten Samen direkt von Bogotá. Die Versuche scheiterten — natürlich — ebenso wie ihre Wiederholung (1866). Auch die 1814 begonnene Cinchonenkultur hatte zunächst keinen Erfolg, größer war derselbe 1868. Jetzt ist die Kultur zurückgegangen, wie auch auf Teneriffa. In Réunion, wohin Cinchonen 1865 gebracht wurden, gelang die Kultur. 1894 zählte man dort schon 80000 Bäume. Mißlungen ist die Kultur auf Mauritius, Madagaskar, den Kapverden, in Angola und Abyssinien.

Gut geglückt ist sie besonders auf S. Thomé, wo schon 1891 250000 Chinabäume standen. Nach Kamerun kamen Cinchonen 1900 und 1902 aus Java.

Schon 1685 sah übrigens TEMPLE im Botanischen Garten in Chelsea bei London lebende Cinchonen, die WATTS «Keeper of the Apothecaries garden of simples at Chelsea» aus Samen gezogen hatte.

Den ersten — allerdings gescheiterten — Versuch, lebende Cinchonen nach Europa zu bringen, machte DE LA CONDAMINE, den ersten Versuch, Cinchonen in ihrer Heimat zu kultivieren, MUTIS in Bogotá — doch sei daran erinnert, daß noch früher die Jesuitenpatres den Cascarilleros das Versprechen abnahmen, für jeden gefällten Chinabaum 5 Stecklinge in Kreuzesform ⸭ zu pflanzen.

Die Vanille wurde besonders auf MORRENS Betreiben 1841 nach Java überführt. Schon 1820 war sie durch PERROTTET nach Réunion gebracht worden. 1839 wurde dort mit der künstlichen Befruchtung begonnen. Die erste Vanille von Réunion erschien 1862 im Großhandel. «Vanilleries» finden sich aber dort schon seit 1841. Vanilla gelangte im ersten Drittel des XVIII. Jahrh. nach England und wurde zuerst in den Warmhäusern von PH. MILLER kultiviert, zur Blüte gelangte sie 1800 in den Gärten GREVILLES in Paddington. Von hier kam sie (1812) nach Amsterdam, Paris, Brüssel, Löwen, Gent, Lüttich und (1819) nach Buitenzorg. Es waren von GREVILLE erhaltene Pflanzen, an denen MORREN sein berühmtes Befruchtungsexperiment (1836) in Lüttich vornahm.

Jetzt gibt es keine wertvolle amerikanische Heil- und Nutzpflanze, die nicht z. B. im Kultur-Tuin des botanischen Gartens in Buitenzorg kultiviert würde, Coca und Myroxylon, Hevea und Manihot, Cacao, Bixa Orellana, Ipecacuanha und viele andere werden dort gezogen und auch für die in Indien heimischen Pflanzen ist der Garten eine Pflegstätte geworden. Daß wir der allmählichen Ausrottung der wilden Guttaperchabäume ohne große Besorgnis entgegensehen können, verdanken wir besonders den daselbst und in Tjipetir schon vor vielen Jahren in weitsichtiger Weise angelegten Palaquium- und Payena-Kulturen.

Aber nicht nur die Verbreitung der amerikanischen Heilpflanzen über andere tropische Gebiete, zunächst Asiens, dann Afrikas ist versucht und erfolgreich durchgeführt worden, auch unter sich tauschten die Länder Asiens ihre Produkte aus. So gelangte der Teestrauch von Assam nach China und in neuerer Zeit auch nach Vorderindien und Java. Die Verbreitung der Gewürznelken und der Muskatnuß füllt ein ganzes Kapitel, das in seinem ersten Teile, wo von der Verhinderung der Verbreitung seitens der holländisch-ostindischen Kompagnie die Rede ist, nicht in die Ehrentafeln der Kulturgeschichte der Menschheit gehört. Das Muskatmonopol der genannten Kompagnie, das durch die berüchtigten Hongitogten geschützt wurde, bestand von 1621–1796. Aber schon 1750 (bezw. 1754) brachte trotz aller Wachsamkeit der Holländer der französische Gouverneur von Isle de France und Bourbon, POIVRE, die ersten Muskatnüsse und Nelken nach Isle de France. Eine zweite Expedition brachte 1769 450 Muskat- und 70 Nelkenpflänzchen, 10000 Muskatnüsse und eine Kiste Nelkensamen dorthin und die Kultur hatte Erfolg. Nach Penang wurde die Muskatnuß durch CHR. SMITH (c. 1797) überführt, nach Sumatra brachte sie HUGH MOORE 1798. Die ersten Nelken gelangten schon 1793 nach Cayenne und bald darauf (1800) von Mauritius nach Sansibar. Zur Zeit, da England die Gewürzinseln besetzt hielt (1796–1802), brachte ROXBURGH den Muskatbaum nach Bengkulen und Penang.