Fig. 22.
Tabakpflanzung in Sumatra.
[Abbild. im Kew Museum]
Das sind Verhältnisse, die in das Kapitel Pharmakophysiologie gehören und die von physiologischen Gesichtspunkten betrachtet werden müssen.
Der Fall, daß Arzneipflanzen in der Kultur — aber einer Kultur jedenfalls am unrechten Orte — degenerieren, kommt allerdings vor. Die Rhizome der in Europa kultivierten Rheum officinale und palmatum z. B. gleichen nicht mehr dem echten Rhabarber und sind chemisch minderwertig geworden. Daß aber ein Rhabarber, der bei uns in der Ebene gebaut wird, degeneriert, ist leicht begreiflich, da er in den Gebirgen von Szetchuan am besten zwischen 8000 und 12000´ gedeiht und bis auf 14000´ steigt.
Fig. 23.
Balsamal in San Salvador. Kultivierte (und wilde) Pflanzen von Myroxylon Pereirae.
[Nach Preuss.]
Der günstige Einfluß einer richtigen und der ungünstige einer falschen Kultur wird vortrefflich durch das Beispiel der Chinarinden illustriert. Während die von wildwachsenden Pflanzen gesammelten Chinarinden Südamerikas c. 2% Alkaloid enthalten, bringen es die einer geregelten Kultur entstammenden Rinden Javas auf 10–16% Alkaloid; die in europäischen Gewächshäusern — also unter ungünstigen Bedingungen erzeugten — Rinden enthalten dagegen gar kein Chinin (A. VOGEL, 1886).
Daß Klima und Standort von Einfluß sind, zeigt auch die Beobachtung ROCHLEDERS, daß der in Schottland wachsende Schierling nicht giftig ist (war der untersuchte aber auch wirklich echter Schierling oder nicht vielmehr eine physiologische Varietät?) — zeigten die ersten verunglückten Kulturversuche der Cinchonen in Java. Jetzt wissen wir, daß man Cocos und Cacao nicht in den Bergen, Tee, Kaffee und Cinchonen nicht im tropischen Tiefland kultivieren darf. Bevor man heutzutage eine Kultur in Angriff nimmt, werden nicht nur die klimatischen Bedingungen (Meereshöhe, Regenmenge, mittlere Jahrestemperatur) der alten Heimat der Arzneipflanze, sondern auch die der neuen aufs sorgfältigste studiert. Bisweilen ist der Erfolg, d. h. die Erzielung vollwertiger Droge, von scheinbar ganz nebensächlichen Dingen bedingt, wie Anpflanzung an Südhängen, Schutz gegen Wind u. a. m.
Daß vernünftige Kultur den Gehalt der Indigopflanze an Indican bedeutend zu steigern vermag, zeigten neuere Versuche in Indien und die in Shenandoah Valley (Virginia) unter vernünftigen Bedingungen kultivierte Belladonna lieferte Blätter mit 0,32–0,68% Alkaloid (REPPETOE), also vollwertige Droge.
Auch für das «Harzen» der Coniferen gilt das gleiche: Nur unvernünftiges und irrationelles Harzen schädigt den Baum.