Für das pharmakognostische Praktikum: Schär und Zenetti, Anleitung zu analytisch-chemischen Übungsarbeiten. Berlin 1897. — Rosenthaler, Grundzüge der chem. Pflanzenuntersuchung. Berlin 1904. Die Literatur für das pharmakoanatomische Praktikum siehe [Pharmakoanatomie].
«Was soll man von dem vielfältigen arglistigen Betrug, gefährlichen Ränken und Schränken sagen, welche von Materialisten verderblicherweise geübt werden.»
LUDW. VON HORNICK 1645.
IX. Angewandte Pharmakognosie.
Von dem mitten in der Praxis stehenden Apotheker wird niemand verlangen, daß er reine Pharmakognosie wissenschaftlich betreibe, dazu fehlt es ihm an Zeit und meist auch an dem nötigen Rüstzeug, den notwendigen wissenschaftlichen Hilfsmitteln, aber er ist recht eigentlich der Vertreter der angewandten Pharmakognosie. Auch kann er sehr wohl die Bestrebungen der wissenschaftlichen Pharmakognosie von sich aus unterstützen, wie dies schon der Apotheker MATTHIAS BANSA (1641) getan, der JOH. SCHRÖDER mit Material versah, wie wir es von dem Hofapotheker der Königin Elisabeth, HUGO MORGAN, wissen, der (Ende des XVI. Jahrh.) CLUSIUS unterstützte und wie es auch der portugiesische Apotheker PIRES in seinen berühmten Briefen (1512–1516) tat. Ferner seien erwähnt der Apotheker JOH. HEINR. LINCK in Leipzig (um 1719), der treffliche Leipziger Apotheker JOH. RALLA, dem sein Neffe CORDUS die Anregung zu dem Dispensatorium verdankt und der, ebenso wie der Wittenberger Apotheker KASPAR PFRUEND, CORDUS mit Rat unterstützte, sowie endlich der um die Einführung der Ipecacuanha (1672) verdiente Apotheker CLAQUENELLE. Der Jesuit G. J. KAMEL (Camellus), der in Manila eine Apotheke errichtete, sandte von 1688 an viele Pflanzen und deren Produkte, sowie von ihm gezeichnete Abbildungen — unter anderem Ignatiusbohnen — an RAY und PETIVER in London.
Beispiele dafür, daß auch mitten in der Praxis stehende praktische Apotheker wissenschaftlich vollwertige Arbeit auf pharmakognostischem Gebiet zu leisten vermögen, bieten JAHNS (Göttingen) durch seine Untersuchungen über Trigonellin und die Arecaalkaloide, HARTWICH (damals Tangermünde) durch seine Studien über die Gallen, AWENG, GEROCK, TTUNMANN, KREMEL und andere, die als Floristen, Pilzforscher oder dergl. tätig waren und sind.
Die Abgrenzung der angewandten Pharmakognosie von der reinen wurde von dem Zeitpunkt an notwendig, wo die letztere sich zu einer selbständigen reinen Wissenschaft entwickelt hatte. Der Ausdruck «angewandte Pharmakognosie» wurde von mir zuerst in dem auf dem XII. medizinischen Kongresse in Moskau 1897 gehaltenen Vortrage: «Die Anwendung der vergleichenden Anatomie zur Lösung von Fragen der angewandten Pharmakognosie» benutzt.
Die angewandte Pharmakognosie umfaßt:
- die Prüfung der Drogen auf Identität und Reinheit (Verfälschungen und Verwechslungen),
- Aufbewahrung der Drogen.