Fig. 90.
Aufstapeln der Korkplatten zum «Plätten», d. h. Geradestrecken.

Das Ablesen der Früchte wird nicht überall in der gleiche Weise besorgt. Die Olivenbäume werden meist geschüttelt und die Früchte auf unter die Bäume gelegten Tüchern ([Fig. 92]) aufgesammelt oder mit Stangen abgeschlagen. Die Muskatnüsse werden in an langer Stange befestigten, eigenartig geformten Körbchen (Gai-Gai) gesammelt, die oben eine das Pflücken besorgende Gabel besitzen ([Fig. 93]). Diese reißt die Frucht vom Stiel und sie fällt alsdann (durch die Öffnung rechts) in das Körbchen. Diese Sammelmethode hat ihren bestimmten Grund. Ich fand nämlich in Indien den Glauben verbreitet, daß, wenn man die Früchte in brüsker Weise abschlägt, der Baum im folgenden Jahre nicht trägt. Weniger sorgfältig verfährt man in Java mit den Cacaofrüchten, die, wo sie mit der Hand nicht erreichbar sind, mit langen Bambusstäben abgeschlagen werden ([Fig. 94]). Anders ist das Verfahren in Südamerika.

Fig. 91.
Abraspeln der abgelösten Korkplatten.

«Das Abernten der Cacaofrüchte geschieht in Ecuador in dem unteren Teile des Stammes mit dem Buschmesser. Für die hochhängenden Früchte treten die «Tumbadores» in Arbeit. Dieses sind in der Regel geschicktere, besser bezahlte, alte Arbeiter, welche die Früchte vermittelst langer, dünner, sehr leichter Bambusstangen, an deren Ende ein Messer befestigt ist, herunterholen. Das Messer, «podadera», hat die [nebenstehende Gestalt]. Es ist an einem etwa 2 m langen Bambusstab, «palanca», befestigt. Außer der «palanca» trägt der Tumbador noch ein kleines Bündel von Reservebambusstäben oder Verlängerungsstücken, «embonos», in seiner linken Hand. Die «embonos» sind so eingerichtet, daß sie mit den Enden ineinander gesteckt und auch ebenso mit der «palanca» verbunden werden können. Der «Tumbador» ist so imstande, durch Aus- und Einschachteln verschiedener Reservestäbe in kurzer Zeit sich eine den jeweiligen Bedürfnissen entsprechende lange Stange herzustellen. Mit dem am Ende der Stange sitzenden Messer trennt er durch einen Stoß von unten die Früchte vom Stamm und den Ästen ab. Bisweilen sind die gesamten «embonos» bei der Höhe der Stämme nicht ausreichend. In solchen Fällen wirft der «Tumbador» die Stange mit einem kurzen Ruck von unten und trifft auch in der Regel so gut, daß das Messer den Fruchtstiel durchschneidet, die Frucht herabfällt und gleichzeitig die Stange senkrecht wieder herunterkommt.» (PREUSS). Die gewöhnlichen Sammler des Cacao heißen Recogedores (recogér = sammeln), die Herausschäler Sacadores (sacár = herausnehmen).

Unter den Olivenbäumen wird in Italien ein Tuch ausgebreitet (s. oben), auf welches die Früchte beim Schütteln des Baumes fallen. In Portugal bedient man sich aber auch hier eines gestielten Körbchens, ähnlich dem Gai-Gai ([S. 94]).

Die Baumwollfrüchte werden von der strauchartigen Pflanze in Körbe abgelesen ([Fig. 95][97]). Das Pflücken der Baumwolle geschieht in der Weise, daß man die geöffnete Fruchtkapsel am Strauche läßt und nur den «Bausch», d. h. die mit den Haaren bedeckten Samen herauszupft. Neuerdings sind erfolgreiche Versuche gemacht worden, den Bausch statt mit der Hand zu pflücken mit einer hydraulischen Saugmaschine aus der geöffneten Kapsel anzusaugen.

Der Pfeffer wird von den auf Leitern stehenden Kulis abgelesen ([Taf. X]). Beim Kaffee erreicht man die Früchte mit der Hand ([Fig. 98]). Die Umbelliferenfrüchte werden oft mittelst eigenartiger Kämme «abgekämmt».