Sammelkalender.

Doch ist mit diesem Kalender nicht viel gesagt. Die Hauptsache ist die Erfahrung. Ob man ein Kraut vor dem Blühen ernten muß (z. B. Card. benedict.) oder bis zur beginnenden oder Vollblüte warten kann, das hängt von der Pflanze ab. Jedenfalls wird man gut tun, bei Kräutern nicht die Voll- oder Strohreife abzuwarten. Samen erleiden auch nach dem Ablesen noch eine sog. «Trockenreife». Die größeren Wurzeln (Levisticum, Angelica) werden erst im zweiten oder dritten Jahre gesammelt, Rad. saponariae kann man das ganze Jahr sammeln, Liquiritia, Rubia, Valeriana sammelt man am besten im Herbst, Geum im Frühjahr.

SALADIN bemerkt (1488): «radices in autumno quia tunc tote virtus herbarum in radicibus est reposita». Bei ihm findet sich auch der erste umfangreichere Sammelkalender. Auch der Ricettario fiorentino (1567) gibt Sammelvorschriften. Noch älter sind die Angaben im Kalender des HARIB (961).

In LOUIS PLANCHON, Indications générales sur la récolte et la conservation des drogues exotiques (Bull. Soc. Languedocienne de Geogr. 1898) findet sich eine recht gute Anleitung, wie man sammeln soll.

Die Sammler haben bisweilen besondere Namen. Die Chinarindensammler in Südamerika heißen Cascarilleros, die Yerbasammler in Südamerika Cuadrillas, die Cacaosammler in Ecuador Recogedores.

Fig. 95.
Pflücken der Baumwolle in Georgia U. S. A.
[Nach Stromeyer & Wyman.]

Das Einsammeln der wildwachsenden Arzneipflanzen ist in Deutschland jetzt gegen früher erschwert. Flur- und Forstgesetze schaffen den Sammlern Schwierigkeiten, wie sie auch den Harzern das Leben sauer machen. Es müssen Erlaubnisscheine gelöst oder Zutrittsbewilligungen erworben werden. Selbst Lindenblüten dürfen nicht mehr in den öffentlichen Anlagen ohne weiteres gebrochen werden. Das Geschäft des Kräutersammelns ist unrentabel, wird durch Regen und Mißernten gestört und wirft höchstens einen Tagesverdienst von zwei Mark ab. Es sind daher meistens Frauen und Kinder, die ihm obliegen. Besser wie in Deutschland sind die Bedingungen in Rußland, Böhmen, Mähren, Ungarn und Tirol, die daher steigende Mengen wildwachsender Arzneidrogen nach Deutschland importieren — Rußland z. B. Flor. tiliae, Flor. chamomillae, Fruct. sambuci, Lycopodium. Auch die Schweiz kann ihren Bedarf an Arzneidrogen nicht selbst decken.