Dem Raubbau bei der Kautschukgewinnung arbeiten neuerdings staatliche Verordnungen, z. B. in den deutschen Kolonien, am Congo und auch sonst — zunächst freilich mit wenig Erfolg — entgegen.
Der Fall, daß eine viel begehrte Arzneipflanze durch zu reichliches Sammeln ganz ausgerottet wurde, ist jedenfalls selten. Beim Silphium scheint im Altertum etwas derartiges stattgefunden zu haben, denn es war schon in den ersten christlichen Jahrhunderten in Kyrene nicht mehr zu finden. Auf großen Strecken Südamerikas ist der Chinarindenbaum ganz verschwunden, in einigen Gegenden der Schweiz Gentiana lutea ausgerottet. Die Gefahr der Ausrottung besteht zurzeit bei Hydrastis, der Cascarilla und den Guttaperchabäumen. Auch (wegen des großen Bedarfes in China) beim Ginseng in Amerika. Doch wird jetzt meist der Gefahr der Ausrottung durch Anpflanzung der gefährdeten Pflanzen vorgebeugt.
3. Erntebereitung.
(Beneficio.)
Die «Erntebereitung» ist der dritte, nicht minder wichtige Teil der Arzneipflanzenkultur.
Schon das einfache Trocknen der eingesammelten Arzneidrogen ist keine so ganz einfache Sache. Das wußten schon die Alten und gaben daher Vorschriften dafür. Besonders wußte man, daß die meisten Arzneipflanzen im Schatten getrocknet werden müssen. Wie wir aus hieroglyphischen Inschriften wissen, unterschieden bereits die Ägypter 2000 v. Chr. zwischen frischen, an der Sonne und im Schatten getrockneten Arzneipflanzen.
Fig. 101.
Kaffeetrockenkästen auf Porto Rico.
[Underwood phot.]
SALADINUS VON ASCOLO bemerkt in seinem Compendium aromatariorum in der quinta particula: «Dico ulterius quod herbae sunt exiccadae ad umbram. Semina vero ad lentum Solem. De radicibus vero distingue, quia quaedam sunt at Solem exiccandae, sicut sunt radices magnae, valde crassae; quia densae substantiae, ut radix begoniae, rheupon., aristo., gentianae, mandrag., et sic de consimilibus. Sed radix ireos, petroselini, apij, foeni., garyophyl., asari, et consimilium, quae sunt rarioris substantiae, debent ad umbra exiccari, et omnia praedicta, scilicet herbae, flores, semi. et radices, nunquam sunt apponenda, nisi sint debito modo et congruo tempore exiccata alioqui putrescerent.»
Auch das Circa instans des PLATEARIUS gibt bisweilen Sammel- und Trockenvorschriften, vom Absinth sagt es z. B.: «in fine veris colligitur, in umbra exsiccatur, per annum servatur», bei Esula: «in vere colligitur per biennium in magna efficacia servatur».