Fig. 102.
Die Kaffeetrockenkästen in Nicaragua zum Trocknen des Kaffees an freier Luft.
[Aus Les grandes cultures.]
Fig. 103.
Macedonische Tabakarbeiter. Oben die aufgehängten Blätter.
[Kew Museum.]
Fig. 104.
Cacao-Trockenhaus in Surinam mit herausgezogenem Trockenwagen. Kulifrauen auf dem Wagen beim Wenden des Cacao.
[Aus Preuß, Central- und Südamerika.]
Wo es sich um kleine Mengen handelt, ist auch heute noch der an beiden Enden mit Luftzuführung versehene schattige Trockenboden im Estrich der Apotheke ein idealer Trockenraum. Wenn die Arzneipflanzen in dünner Schicht ausgebreitet und täglich gewendet werden und dauernd Zugluft darüber streicht, trocknen die Pflanzen unter dem warmen Dache bei schneller Abführung des Wasserdampfes rasch, ohne sich stark zu verfärben und ohne viel von ihren flüchtigen Bestandteilen zu verlieren. Schwieriger wird die Sache bei größeren Mengen. Hier greift man oft zu dem Aushilfsmittel, die Pflanzen oder Pflanzenteile zu bündeln und in Reihen an einem schattigen Orte aufzuhängen. So sieht man es in Cölleda mit Angelica und Alant. Dann auch beim Tabak ([Fig. 103]). Der Kaffee wird entweder auf Tennen (in Ceylon: barbacues, [Taf. XII]) oder in eigenartigen Hürden ([Fig. 101] u. [102]) getrocknet, der Cacao in Südamerika auf Tennen ([Fig. 104]). In Indien bedient man sich zur Trocknung oft der aus Rotang geflochtenen runden Bambuteller (Tampirs, [Fig. 78]). Die Chinarinde wird in Java auf Hürden ausgebreitet, die, auf Rollen laufend, während der sonnigen Tagesstunden ins Freie geschoben und bei Eintritt der Nacht oder vor Regenwetter wieder unter das schützende Dach zurückgerollt werden ([Fig. 105]–[107]). Ähnliche herausschiebbare Tennen benutzt man in Surinam zum Trocknen des Cacao ([Fig. 104]). Die Kulturchina Boliviens wird auf Gerüsten getrocknet.
Der Rhabarber wird in China auf Schnüre gezogen und aufgehängt, und ebenso verfährt man mit den Salepknollen in Kaltennordheim, der Angelica in Cölleda und dem Paprika in Ungarn ([Fig. 109]). Der Rhabarber wird in Szetchuan entweder in der Sonne (sun dried) oder auf erhitzten Steinen oder über Buschfeuer getrocknet (hight dried).
In Scheiben geschnitten wird Rad. colombo, Rad. bryoniae, Tub. colchici, längs halbiert (oder gevierteilt) Rhiz. enulae, Rad. cichorii, Rhiz. calami, wohl auch Levisticum, Valeriana und Angelica. Die Chinesen haben besondere Handschneidemaschinen, mit denen sie die Drogen, besonders die Wurzeln, in sehr feine Querscheiben zerschneiden. Ich sah in den chinesischen Apotheken fast alle Drogen, die diese Behandlung erlauben, in dieser Form. Beim Irisrhizom wird behufs Herstellung der Sorte «pro infantibus» das Rhizom künstlich gestreckt und gepreßt.