Fig. 105.
Die auf Rollen aus dem Schuppen herausgefahrenen älteren Trockengestelle für Chinarinde in der Regier. Kina-Onderneming in Lembang auf Java.
[Aus Tschirch, Indische Heil- und Nutzpflanzen.]

Man hat aber auch vielfach zu künstlichen Trockenapparaten gegriffen. Solche liefert die Maschinenindustrie in vielen Formen (z. B. die MAYFARTHsche Darre). Aber nicht alle sind richtig konstruiert. Die Teetrockner, wie sie in Ceylon und Java benutzt werden, überhitzen meines Erachtens die Droge und auch anderwärts wird die Temperatur nicht niedrig genug gehalten, um Zersetzungen zu verhindern. Nelken können z. B. nicht in Trockenöfen getrocknet werden, wie Versuche (1898) in Sansibar lehrten, da nur in der Sonne getrocknete biegsam bleiben. Hauptsache ist, daß Vorrichtungen bestehen, den gebildeten Wasserdampf rasch abzuführen. Künstliche Wärme und eigenartige Trockenapparate werden in Süd- und Mittelamerika auch beim Kaffee und Cacao angewendet.

Ich halte eine Temperatur von 35–50° als günstigste Trockentemperatur für die meisten Arzneidrogen. AGNELLI fand 35° gut für Mentha, Melisse, Ruta, 45–50° für Carduus benedict. Übereinanderschichten nicht ganz trockener Drogen ist immer schädlich.

MAUSIER empfiehlt (Pharm. Post. 1901) früh und abends bei möglichst niedriger Temperatur (12–15°) zu pflücken und unter Überleiten von trockener Luft bei 15° (nicht höher) zu trocknen. Das ist ein Vorschlag, der ganz gut gemeint, aber nicht durchführbar ist, besonders nicht dort, wo große Mengen rasch getrocknet werden müssen.

Die Farben der Blüten werden durch sehr rasches Entfernen des Wasserdampfes — rasches Trocknen bei starker Ausbreitung — am besten konserviert und lassen sich durch Trockenhalten der nicht zu dicht übereinandergeschichteten Blüten, z. B. über Kalk, lange unverändert erhalten. Denn die Bestandteile des Zellsaftes — und ganz besonders ihre Lösung — sind es, die verändernd auf die Farbstoffe einwirken.

Fig. 106.
Die großen Trockengestelle der Particulier-Kina-Onderneming Gamboeng in Java, herausgeschoben. Vorn Thea assamica.
[Schröter phot.]

Die grüne Farbe der Blätter wird ebenfalls am besten durch rasches Trocknen der gut ausgebreiteten Blätter unverändert erhalten. Doch ist die Erhaltung einer rein grünen Farbe ganz abhängig von der Acidität des Zellsaftes und dieser wieder von dem Standorte der Pflanze. Wie ich gezeigt habe (Einige praktische Ergebnisse meiner Untersuchung. über das Chlorophyll, Arch. Pharm. 1884), besitzen Wasserpflanzen und Pflanzen feuchter Standorte einen neutralen oder nur sehr schwach sauren Zellsaft. Da nun die Verfärbung des Chlorophylls, d. h. die Umbildung des rein grünen Chlorophylls in die braungrüne Phyllocyaninsäure, durch Säuren, auch die schwächsten, bewirkt wird, also um so rascher vor sich gehen muß, je saurer der Zellsaft ist (TSCHIRCH, Untersuchung. über das Chlorophyll, Berlin 1884), so werden sich die Blätter von Pflanzen feuchter Standorte (z. B. Menyanthes) beim Trocknen weniger verfärben als solche trockener Standorte, und von diesen wieder die mit stark saurem Zellsaft (z. B. Rumex) stärker als die mit schwächer saurem (z. B. Digitalis). Der saure Zellsaft wirkt in der lebenden Zelle auf die in Plasma eingebetteten und selbst mit einer Plasmahaut umgebenen Chlorophyllkörner nicht ein — das lebende Plasma reagiert alkalisch —; erst nach dem Absterben der Zelle wird die Plasmahaut permeabel. Also kann eine Veränderung erst beim Trocknen der abgelösten, abgestorbenen Blätter eintreten. Andererseits wirken die Pflanzensäuren des Zellsaftes nur in gelöstem Zustande auf das Chlorophyll. Daraus ergibt sich, daß es notwendig ist, so rasch wie möglich das Lösungsmittel zur Verdunstung zu bringen, d. h. rasch zu trocknen, wenn man die Blätter grün erhalten will.

Nur eine verhältnismäßig kleine Anzahl von Drogen wird in frischem Zustande verwendet. Die meisten dieser frischen Drogen werden aber auch nicht als solche gebraucht, sondern zur Bereitung der Succi recentes und anderer pharmazeutischer Präparate (Extrakte, Sirupe, Tinkturen usw.) benutzt, wie z. B. Herb. cochleariae officinalis, Herb. Nasturtii officinal., Rad. armoraciae, die für Sirup. cochleariae cps. gebraucht werden, und auch Rhizoma Filicis, das nur im frischen Zustande verarbeitet ein ganz wirksames Extrakt liefert. Von den Drogen wird eigentlich nur noch die Scilla in den Apotheken frisch vorrätig gehalten. Einige Drogen sind in frischem Zustande sehr viel wirksamer als im trockenen, z. B. Cort. rad. Granati, Rhiz. Filicis.

Die getrocknete Pulpa der Früchte von Aegle Marmelos ist wirkungslos. Die Pulpa der frischen Frucht ist ein ausgezeichnetes Mittel gegen Dysenterie. Ein singhalesischer Arzt hat mich durch dies Mittel, als ich im Hochlande von Ceylon an einer schweren Dysenterie erkrankt war, vom Tode errettet.