Viele pharmazeutische Präparate (Spir. cochlear, Sir. cochlear cps., Sir. mori, Sir. rhamn. cathart., Ph. helv. IV) werden nur aus der frischen Pflanze dargestellt (s. oben). Aus trockener bereitet, sind sie wirkungslos. Andererseits wissen die Destillateure, daß man bei einigen Kräutern (Mentha) bessere Ausbeuten erhält, wenn man das getrocknete Kraut benutzt, bei anderen (Rosa) aber frische Pflanzenteile destillieren muß.
Bei einigen Drogen zeigt schon der Farbenwechsel, die Verfärbung, daß das Trocknen allein schon verändernd wirkt. Ich habe (s. [oben]) gezeigt, daß sich alle die grünen Pflanzenteile, die einen sauren Zellsaft besitzen, rasch olivengrün bis braungrün färben. Bei den weißen oder rosafarbenen Kolanüssen tritt beim Trocknen Rotfärbung ein, die helle Chinarinde wird schon nach wenigen Sekunden rot. Bei diesen beiden tritt zweifellos ein Ferment in Aktion und bedingt die Rotfärbung. Durch fermentative Spaltung eines Glukosides wird hier Chinarot, dort Kolarot gebildet. Denn wie mich Versuche gelehrt haben, unterbleibt die Rotbildung, wenn man das Ferment abtötet, bevor die Kola getrocknet oder die Chinarinde abgelöst wird. Etwas ähnliches findet offenbar bei dem Tormentillrhizom, der Weiden- und Eichenrinde, den Nelken, der Ratanhiawurzel statt, die alle sich beim Trocknen in Rot verfärben.
Fig. 109.
Das Trocknen der Paprika-Früchte bei den ungarischen Bauern in Szeged.
[Aus d. Zeitschr. A Kor, Schwalm gez.]
Der Standard-Versuch ist von mir 1905 publiziert worden (Schweiz. Wochenschr. f. Chem. u. Pharm. 1905, Nr. 10). Ich berichtete daselbst folgendes:
«Bei der Chinarinde hatte ich in Java 1889 beobachtet, daß die Rinde unmittelbar nach dem Ablösen farblos ist, sich aber schon nach fünfzehn Sekunden rötet. Ich habe nun durch Versuche festzustellen gesucht, ob die nach dem Ablösen eintretende Rötung unterbleibt, wenn man vor dem Ablösen der Rinde den Zweig bis zu einer Temperatur erwärmt, bei der Fermente abgetötet werden.
Die Versuche sind nach meinem Plane in der Gouvernements Kina Onderneming in Mitteljava und zwar in der Plantage Tirtasari (Bandoeng) zuerst von Herrn Dr. VAN LEERSUM, dann von Herrn J. VICTOR SIBINGA ausgeführt worden.
I. Versuchsreihe. Die Zweige wurden abgeschnitten und sofort in ein Becherglas mit Wasser von 80° gebracht. Sie blieben darin 1½ Stunden. Wurde nun die Rinde vom Holzkörper abgelöst, so war sie farblos und blieb farblos auch bei nachherigem Trocknen (selbst in der Sonne). Der Versuch mit halbstündigem oder einstündigem Eintauchen in Wasser von 80° lieferte das gleiche Resultat.
II. Versuchsreihe. Die Zweige wurden abgeschnitten, sofort in einen Dampfsterilisationsapparat gebracht und während 1½ Stunden dem Dampfe von ca. 80° ausgesetzt, ohne mit dem Wasser selbst in Berührung zu kommen. Wurde alsdann die Rinde vom Holzkörper abgelöst, so war sie farblos und blieb farblos, auch nach nachherigem Trocknen (selbst in der Sonne). Der Versuch lieferte das gleiche Resultat, wenn der Zweig ½ oder eine Stunde im Dampf verweilte.
III. Versuchsreihe. Ein dünner Zweig wurde, ohne von der lebenden Pflanze abgetrennt zu werden, in eine Schale mit Wasser von 80° eingebogen und darin ½ Stunde gelassen. Die vom Holzkörper abgelöste Rinde war farblos und blieb farblos, auch nach dem Trocknen. Der Versuch lieferte das gleiche Resultat, wenn der Zweig fünfzehn Minuten im Wasser verweilte.