Die ganze Weite ist erhellt,
Noch höher als das Sternenzelt
Könnt seine Hand ihr schauen.
Mose ibn Esra hat das Verdienst, Jehuda Halevi „entdeckt“ zu haben. Er tat es im guten Sinne des Wortes. Er gewann eine vollständige Herrschaft über den jungen Dichter, der sich ihm mit ganzer überschwenglicher Seele hingab. Der junge Jehuda war eine zarte, deutlich feminine Natur. Bei einem ausgesprochen genialen Selbstbewußtsein war er die Demut selbst vor seinen Freunden, die er fast immer überschätzte. Er vergötterte sie. Er dichtete ihnen die Eigenschaften an, die ihm selber fehlten. Oft erzürnte er sich mit ihnen, immer aber war er derjenige, der um Verzeihung bat. Es ist rührend zu sehen, wie häufig er in seinen Episteln an die erzürnten Freunde nach einer Schuld sucht, die nicht vorhanden ist. Von keinem aber ließ er sich so beherrschen, wie von Mose ibn Esra. Als er sich schon dem Gipfel seines Ruhmes nähert, fühlt er sich noch als sein Jünger. Wenn er dem Meister seine Verse schickt, ist es ihm, als schickte er Boten an den Gesalbten Gottes, den König. Und er läßt sie zum Könige sprechen:
Herr, o trage unsre Last,
Laß uns selbst nicht Sünde tragen,
Wenn in unbeholfner Hast
Wir dein Lob zu singen wagen.
Was wir bringen, ist ja noch
Keine Blüte, Knospe eben,