So bewundern und verehren wir in ihm zweierlei zu gleicher Zeit: Die ursprünglichste Natur einer verschwendenden Dichterseele und die höchste Geisteszucht eines zwei Kulturen in sich vereinenden Genies. Damit hat die Dichtergröße Jehuda Halevis ihren Namen erhalten.
Nun aber möge er selbst zu euch sprechen, in all seiner Schwere und all seiner Grazie. Vielleicht daß er Seelen findet, die mit seiner Seele klingen. Dem, der ihn übersetzt hat, ist er Offenbarung geworden. Wer ihn aber immer lesen mag, er stehe still vor ihm. Hier ist heiliger Boden: Ecce poeta.
[1] Eine Art von Derwischen, die ein Leben in Kontemplation führen.
[2] Dajan ist der jüdische Gemeinderichter.
QUELLENNACHWEIS
Nach zwölfjähriger, immer wieder neu aufgenommener Arbeit läßt der Uebersetzer diesen Diwan erscheinen. Die hier gebotenen Uebertragungen sind ursprünglich mehr oder weniger freie Nachdichtungen gewesen. Erst allmählich erwachte in dem Uebersetzer aus dem Interesse, sich von dem mittelalterlichen Sänger Anregungen zu seinem eigenen Schaffen geben zu lassen, das Interesse, diesem Sänger selbst zum Rechte zu verhelfen. Dieses Interesse stieg mit der wachsenden Erkenntnis, daß alles bisher an Uebersetzungen Gebotene ohne Ausnahme ungenügend war. Von den Schwierigkeiten, die freilich solcher Uebersetzung von Versen aus einer semitischen in eine indogermanische Sprache entgegenstehen, war bereits am Ende der biographischen Darstellung die Rede. Es bleibt der Oeffentlichkeit überlassen zu beurteilen, wieweit diesmal das Erforderliche geleistet worden ist.
Neben der Uebersetzung hat der Uebersetzer sich vor allem die sorgfältige Auswahl der Gedichte angelegen sein lassen. Sein Bestreben war, den Dichter in seinem ganzen Können zu zeigen, aber alle Wiederholung des nach der Sitte orientalischer Barden sich nur zu oft Wiederholenden möglichst zu vermeiden. Die Auswahl, die wir bieten, zeigt in Wirklichkeit den ganzen Dichter.
Das Nachwort macht zum ersten Male den Versuch, das uns fast gänzlich unbekannte Leben Jehuda Halevis aus seinen Gedichten neu zu konstruieren. Die Art der Veröffentlichung verbot dabei, den ganzen wissenschaftlichen Apparat mit erscheinen zu lassen. Hier am Schluss nur soll der Quellennachweis folgen: Die hauptsächlich von uns benutzte Ausgabe ist die von Dr. H. Brody, Divân des Abû-l-Hasan Jehuda ha-Levi, Berlin 1894, 1896-97, 1903 in zwei Bänden mit Anmerkungen und Kommentar. Leider ist diese klassische Ausgabe noch immer nicht vollständig erschienen. Wir mußten deshalb ergänzend noch folgende ältere Ausgaben heranziehen: 1. Diwân des Rabbi Jehuda ha-Levi, herausgegeben von S. D. Luzatto, Lyck 1864, eine ausgezeichnete, aber nur 86 Stücke lediglich religiösen Inhalts umfassende Ausgabe. 2. Rabbi Jehuda ha-Levi von Abraham Elia Harkavy, Warschau 1893, eine ganz unselbständige und textlich unzureichende Arbeit.
Wir zitieren nach den Herausgebern.