LUDWIG BECHSTEIN.
EINGELEITET DURCH ADELBERT KELLER.
VORREDE.
Das gedicht der Ring, von welchem, wie es scheint, noch kein litterarhistoriker berichtet hat, erscheint hier zum ersten mal im drucke.
Als abfaßungszeit ist ihm das fünfzehnte jahrhundert anzusetzen. Gegen eine spätere spräche die beschaffenheit des einzigen bekannten originalmanuscripts und der schriftzüge, gegen eine frühere die erwähnung des schießpulvers und seines gebrauches im kriege, [57b] und wenn man will [56a]. Auf eine nähere spur leitet vielleicht die erwähnung des markgrafen von Ferrara [21c].
Der dichter nennt sich [1d] Häinreich Wittenweilär. Über seine heimat ist nichts sicheres bekannt. Ein Wittenweiler (nicht Wittenweil) ligt in der nähe des zum württembergischen oberamtssitz bestimmten marktfleckens Blaufelden. In diese gegend weist auch der name des früheren besitzers der handschrift, obwohl man von einer Blauburg nichts mehr weiß; in jener gegend findet sich aber ein flüßchen Blau, der genannte marktflecken Blaufelden und ein weiler Blaubach. Auch die dortige volkssprache gibt manche erinnerungen an eigenthümlichkeiten unseres gedichtes. Jedenfalls gehört der verfaßer dem südlichen Deutschland an, ohne zweifel Bayern. Preußen ist ihm seiner eigenen aussage nach [46c] nicht so gut bekannt, daß er seine städte benennen könnte, während er sonst sich als einen mit deutschen landen, städten und flüßen wohl bekannten mann zeigt und auch von dem auslande mancherlei kunde auskramt [46b]. Die scene des gedichtes hat offenbar erdichtete und leicht deutbare namen, wie die personen: Lappenhausen, Mätzendorf, Nissingen, Seurensdorf, Rützingen, Fützenswille [42b]. Vielleicht werden sie im bayerischen oberlande gedacht. Die münze ist der Berner [34b]. Schmeller 1, 200. In nicht weiter ferne ligt die Schweiz und Österreich [33]: Appenzell, Glarus, Aurach im Schweizerthal [42c]. [48b]. [49b], Lauenthal, Marchfeld, Prettengau, die Alpen, die Scherr werden erwähnt; ferner Schwaben [30b], der Neckar [33a], der Rhein [42b]. [52b], Stockach [51d] und als entlegen der Schwarzwald [57d].
Heinrich Wittenweiler ist ein vielseitig unterrichteter mann des bürgerstandes, der auf den rohen sich überhebenden bauernstand mit unerschöpflicher satire und ironie herabfährt, ganz in der weise wie die gleichzeitigen fastnachtspiele vielfach thun.
Seine manchfachen kenntnisse sucht er am faden der erzählung in sein buch einzureihen: insbesondere über religiöse, philosophische und politische dinge [44], länderkunde [46b], hofsitte, kriegskunst, reitkunst [50a], haushaltung. Der damit verbundene didaktische zweck ist in der einleitung bestimmt ausgesprochen.