„Fahren!“

„Zu spät,“ sagte eine andere eiskalte in dem Gefährte.

Die Pferde rissen an dem Wagen und er holperte eilig über die Hügel und durch die Gruben, obgleich sich der Student an das eine Hinterrad geklammert hatte und wie ein Gassenbube neben der Kalesche hinsprang. Da hieb der Kutscher mit der Peitsche nach ihm auch so, als ob er einen übermüthigen Burschen abwehren wollte, und der Franz blieb jählings stehen... Als er zurücktaumelte zu uns, wichen ihm alle schon von weitem aus, denn er war unheimlich anzusehen mit den großen schwarzen Augen, und quer über sein todtenbleiches Gesicht hatte er einen feuerrothen Streifen.

Er stand wie ein bewußtloser Mensch vor dem Thore und starrte nach dem kleinen Gärtchen hin, dann wandte er sich um, schwang den Arm über den Kopf und drohte mit der Faust nach der Richtung, in welcher sie die Prinzessin davonführten.

„So will ich das Kloster anzünden!“

Ich mußte das laut gedacht haben, denn die Umstehenden lachten mir in’s Gesicht. Der Franz ging langsam Schritt für Schritt in seine Kammer, und am nächsten Tag fuhr auch er mit Sack und Pack davon und Keiner in der „blauen Gans“ hat von ihm je wieder etwas gehört oder gesehen. Von der Prinzessin jedoch wurde oft gesprochen.

„Sie ist ganz glücklich und zufrieden jetzt,“ erzählte ein Jahr später die Hausfrau, „sie redt mit keiner Menschenseel’, nicht einmal mit mir. Sie sagt nur: „Grüß Gott! und b’hüt Gott!“ und bet’ Tag und Nacht, die Schwester Magdalene, so heißt die Carolin jetzt. Die andern Nonnen sagen mir das Alles und sagen auch, es ist gescheidter, wenn gar Niemand zu ihr kommt. Na, ich glaub’, ich werd’s nimmer sehen.“

Ich aber sehe die arme Prinzessin öfter. Zuweilen taucht der sinnende Mädchenkopf vor mir auf im Wachen, im Halbschlummer, im Traume, und schaut mich an mit zudringlich sanften Augen, als wollte er sagen:

Mitleid hieß das Wort, das ich zu spät gefunden ...“

Im neuen Hause.