Da war nun die Prozession knapp vor uns. Die Fahnen flatterten im Frühlingswinde und die hellen Stimmen der jungen Sänger übertönten die dumpfen Paukenschläge, das Gedröhne der Posaunen und das Schmettern der Trompeten, dazwischen scholl zeitweilig der grelle kurze Klang der Handglocken, welche zwei Chorknaben abwechselnd im Takte schwangen. „Gelobt sei Jesus Christus! Gelobt — sei — Je-e-sus — Chri-i-stus!“ sangen Alle jauchzend, die ungeregelt hinter den Priestern drängten, und es war, als ob es nur glückliche Menschen auf Erden gäbe... Jetzt zogen die letzten vorüber, noch ein paar alte Weiber mit verblichenen blauen Fürtüchern, dann aufgestöberte Staubwolken, die hinter dem Zuge herwirbelten, und dann nichts weiter als der verbrausende Lärm, der mehr und mehr verhallte, bis nur noch die Paukenschläge wie ferner Donner herübertönten.

Und nun kam der große Wagen, der mit ein Paar fetten Pferden bespannt war, vorgefahren und hielt vor dem Hausthor. Zwei Nonnen stiegen aus, nahmen ihre weiten dunklen Gewänder mit den wachsgelben Händen sorgfältig zusammen, als sie durch die Gruppen der Leute gingen, und verschwanden in der Hausflur.

Niemand rührte sich von der Stelle, alle warteten mit einer unbehaglichen Neugierde, der Student aber biß die Zähne übereinander, daß ich es hörte.

Nach einer Weile kam die jüngere der beiden Nonnen mit der Hausfrau, und Beide stiegen in den Wagen; bald darauf kam die Prinzessin mit der zweiten und schritt dem Klostergefährte zu.

Bis dahin hatte Franz immer mit dem Hute in der Hand dagestanden; als er Caroline kommen sah, packte er den Arm des Laternenanzünders und sagte am ganzen Leibe zitternd:

„Laßt Ihr es denn wirklich geschehen?!“

Der Mann zuckte mit beiden Achseln.

Die Himmelsbraut stand an dem Wagen, setzte den Fuß auf den Tritt und sah noch einmal zurück auf das Haus; da schleuderte der Student seinen Hut weit weg, sprang hin, faßte das todtenbleiche Mädchen am Arm, riß es zurück und rief den Leuten zu:

„Hat denn kein Mensch Mitleid mit ihr, und sagt ihr, was sie thut!“

Ich habe das Antlitz der armen Prinzessin gesehen in dem Augenblicke, ich habe den aufjubelnden Schrei gehört, als er das Wort Mitleid aussprach; ich habe gesehen, wie auch sie die Arme nach ihm ausstreckte, und ich sah auch, wie die Nonne sie in den Wagen schob und die Thüre zuschlug... Eine kreischende Stimme schrie alsdann durch das Fenster: