So will ich das Kloster anzünden.“

Das fuhr mir plötzlich durch den Sinn, als ich den Studenten so wild vor mir sah.

„Ja, ja, anzünden!“

Dennoch dachte ich, ob es nicht viel gescheidter wäre, wenn er es thäte, die Lina könnte dann wieder davonlaufen, anstatt für alle Zeit dort eingesperrt zu bleiben und dort zu sterben.

Weil wir ihm nicht genug von der Lina zu erzählen wußten, schalt er uns „dumme Mädels“ und rannte davon.

Von der Stunde ab ließ sich jedoch der Student von Jedem, den er nur erwischen konnte, die Geschichte der armen reichen Caroline erzählen. Wer weiß, was sie ihm Alles sagten, denn er wurde immer wortkarger und trauriger, und paßte nur überall auf, ob er die Prinzessin nicht erblicken könne, aber sie war nicht zu sehen, weder für ihn noch für die andern Leute.

Da kam der Mai, ernst und feierlich riefen es die Glocken in die blühende Frühlingswelt, als sie das Frohnleichnamsfest einläuteten; durch die Straßen scholl Musik und betäubender Weihrauchduft schwamm dem festlichen Umgang voran, der sich langsam heraufbewegte, immer näher dem alten Hause zu. Drinnen war es still und leer. Die Kinder schritten paarweise in Feiertagskleidern hinter dem Allerheiligsten und die Anderen harrten alle vor dem Hausthor der Herrlichkeiten, die es zu sehen gab. Auch der Student stand unter ihnen, aber er wandte keinen Blick von dem Wagen, der seitwärts des Hauses wartete.

„Fährt sie wirklich heute fort?“ fragte er ungestüm den Laternenanzünder, der in voller Invalidenuniform neben ihm stand.

„Freilich, freilich, Du mein Gott, es ist auch besser, sie taugt ohnedem zu nichts Rechtem mehr.“

Der Franz zerknüllte seinen weichen Filzhut mit beiden Händen.