Er spitzte aber auch immer seine vollen rothen Lippen, wenn ihm ein Mädchen nahe kam, aber er war nicht keck, nur so fröhlich und übermüthig, wie ich noch keinen jungen Burschen gesehen hatte. Im Handumdrehen war er auch überall daheim, rannte von einer Stube in die andere und spielte selbst mit den kleinsten Kindern draußen im Hofe. Als am Sonntag Nachmittag in der großen Waschküche getanzt wurde, da sprang er deckenhoch und schwang uns so um, daß die Ziegelsteine knirschten, auf denen wir uns drehten. Er hieß Franz, war wohlhabender Eltern Kind und wollte eben da herunten bei den kleinen Leuten leben, er müsse sparen lernen, sagte er, wenn er uns die Schürzentaschen mit Rosinen und Mandeln vollstopfte. Er konnte auch viel schöner singen als alle Anderen in der „blauen Gans“, und als ich ihn einmal ein ganz vornehmes Lied singen hörte, dachte ich doch wieder an Lieb’ und Treu’, und ob der Franz nicht etwa das Wort wüßte, das die Caroline nicht finden konnte.
Die blasse Prinzessin jedoch war nie zu sehen, im Mai solle sie fortreisen, so sagte die Hausfrau und rieb sich vergnügt die Hände, jetzt sei sie ein wenig krank.
Vor der Zeit noch wurde es in jenem Jahre Frühling, und in dem kleinen Gärtchen draußen war alle braune Erde blaßgelb hergeputzt, Schneeglöckchen gab es in Fülle, und die magere Weide, die im Spätherbst gesäet worden, hatte richtig am Palmsonntag ihre schönsten silbergrauen Palmkätzchen aufgesteckt.
Der junge Student saß an dem Tage in meiner Kammer und las mir und zwei älteren Mädchen aus einem Studentenliederbuch vor. Zuweilen sang er leise die Melodie dazu, und wir kicherten und lachten, wenn wir mitkrähen mußten. Wir drei Mädchen saßen mit dem Rücken gegen das Fenster gekehrt und er stand vor uns, hielt das Buch in der einen Hand und mit der andern fuchtelte er über dem Kopfe in der Luft herum, wenn er sang oder sprach. Mit einmal aber zog er die Augenlider zusammen, hob sich auf den Zehen und blinzelte hinaus.
„Wer kommt da?“ fragte er und öffnete rasch die Lippen.
Wir wandten uns um und erblickten die Caroline, die langsam über den Hof in das Gärtchen kam. Sie hatte statt des schwarzen Kleides ein dunkelgraues angethan, und ihre blonden Haare steckten fast ganz verborgen hinter einer weißen Haube.
„Ah, das ist die Prinzessin, die in’s Kloster geht,“ sagte die Franziska gleichgültig zu ihm.
„Die — in’s Kloster!“ schrie er und schlug mit der Faust an die Mauer, daß wir alle zusammenschraken. „Warum?“ fragte er dann und räumte uns nur so rechts und links mit den Armen vom Fenster fort, damit er die Caroline besser sehen konnte.
„Und willst Du in’s Kloster gehen
Und werden eine Nonn’,