„Vielleicht ist es besser so... Denke nicht an das Wort... Vergiß auch die Worte, die Du mir gesagt hast... Glaub’s, Lieb’ und Treu’ giebt’s keine, Alle, die davon reden, lügen... Du hast es aber gut gemeint, ich dank’ Dir und werd’ später auch für Dich beten...“
Schwer, traurig, langsam fielen die Silben von ihren Lippen, und ohne Gruß ging sie davon.
So oft sie später auch an meinem Fenster vorbeiging, nie mehr sprach sie zu mir, und ihre großen Augen suchten mich nimmer.
Der Winter kam, und ich hörte nur von den Nachbarn, daß drei Näherinnen oben bei der Hausfrau saßen, und daß da zugeschnitten und genäht wurde, als ob es eine große Hochzeit geben sollte, derweilen aber nähten sie das Weißzeug, das die Prinzessin mitbringen mußte in’s Kloster.
„Dreimal so viel als die Nobelste, die drin ist, nimmt sie mit, die Lina,“ erzählte die Hausfrau, und wurde dunkelroth vor seltener Freude.
„Und was geschieht denn mit dem vielen Geld, das die Fräul’n hat?“ fragte der lange Laternenanzünder mit überlegener Miene.
„In’s Kloster gehen, heißt soviel, als wie sich hinlegen und sterben,“ erklärte die robuste Frau bestimmt. „Ich bin ihre einzige Blutsverwandte. Die eine Hälfte hat sie mir vertestamentirt und die andere Hälfte kriegt das Kloster.“
Etwa um Neujahr kam auch ein neuer Miethsmann in die „blaue Gans“: ein blutjunger Student, der immer nur singend oder pfeifend durch den Hof schritt. Er war so schlank, daß er sich im Gehen nach rechts und links wiegte wie ein geschmeidiges Rohr, und dabei hatte er breite Schultern und einen gedrungenen Hals, auf dem ein lachender wunderschöner Kopf saß. Die kurzgeschnittenen Haare glänzten wie ein Thierfell, so schwarz waren sie, und die Männer sagten scherzend:
„Der Teufelsbub küßt unsere Weibsleut’ nur mit seinen kohlschwarzen Augen.“