„Ja, ja! ich will fahren! Aber Mama?“

„Lasse... Sie wird kommen, wenn sie genug getanzt hat...“

Der Mann packte die zarte Gestalt in die Kissen und Decken des Bettes, schlug den weiten Pelzmantel um diesen kostbaren Bündel und schlich wie ein Dieb hinaus durch die Zimmer, über den hellerleuchteten Flur und den Vorgarten, und als er ungesehen die Straße erreicht hatte, rannte er hinüber bis zu den nächsten Häusern, die im tiefen Schatten lagen. So schnell, als sie die kurzen Beine trugen, lief die Roserl hinterher, und erst als der Baron vor dem Wagen stand, der dort auf ihn wartete, beachtete er das Kind. Er beugte sich nieder, zog die kleine rothe Hand an seine Lippen... griff in die Tasche und flüsterte:

„Halte Dein Schürzchen auf.“

Als die Roserl das that, fielen zwei Hände voll Gold- und Silbermünzen hinein, dann ließ der Baron sie den Mund seiner Tochter küssen, legte flüchtig seine Hand auf ihren Kopf: „Gott segne Dich!“ sagte er, sprang in den Wagen und fuhr davon.

Das Alles geschah so schnell, daß die Roserl weder denken noch reden konnte, sie hielt nur ihre Schürze zusammen, stand betäubt mitten im Straßenkoth und schaute dem davonrollenden Wagen nach. Erst als die Laterne bei einem Buge der Straße verschwand, schrie sie laut auf und rannte ein Stück nach, dann kehrte sie verstört um und lief auf das neue Haus zu, aber auch dort prallte sie muthlos zurück und trabte durch Dick und Dünn hinüber in die „blaue Gans“... Sie stürzte in die Waschküche, leerte ihr Fürtuch auf dem Tische aus, kauerte sich neben ihre Mutter auf den Fußboden und weinte laut in die Röcke der verwunderten Frau:

„Mußt nicht tanzen, Mutter, sonst kommt Einer und stiehlt mich!“

Nachbar Krippelmacher.