„Muß sie?“

„Warum frag’st?!“

„Weil’s meine beste Freundin ist.“ „Ach ja!“ seufzte der Leopold und schaute traurig auf das Kind herab, „ihr seid ja beisammen gewesen kurz vor dem Unglück.“

„Ja freilich. Und weil ich ihre beste Freundin bin, muß ich ein neues schwarzes Kleid kriegen... ein langes!... und einen langen schwarzen Flor... weißt, der hängt über die angeflochtenen Haar’ und über’s Gesicht... weißt? und dann krieg’ ich eine abgebrochene weiße Wachskerzen in die Hand — und geh’ gleich hinter der Todtentruhen als Allererste!“

„So,“ sagte der Leopold gedankenlos, denn vor seinem Geiste schwebten immer die großen Augen, der seltsame Blick... Wer hat mich so angeschaut?

„Da werd’ ich schön sein, gelt?... Da werden die Leut’ Augen machen. Wann wird sie denn sterben?“

Sterben! — ja, das war es! gewiß... mit einmal wußte der Soldat, daß die Hanne ihn so angeschaut hatte wie der Italiener, den die Kanonenkugel davonriß mitsammt dem eigenen rechten Arm.

„So sag’ mir, wenn sie sterben wird,“ flüsterte das Kind beharrlich zu ihm hinauf.

„Sie wird gar nicht sterben,“ erwiderte der Leopold ungeduldig, so als ob er nicht davon reden hören wollte. Die Lene schaute betroffen zu ihm empor, ließ den Aermel los und faßte seine Hand. Sie ging recht langsam. Schritt um Schritt, so daß sie ihn eigentlich zurückhielt... und als sie vor der Thüre standen, durch die man die Hanne in die Stube ihrer Mutter getragen hatte, lehnte das Kind sein Köpfchen an den Arm des Leopold, zeigte nach der Thüre und sagte klagend:

„Mir thut der Kopf weh... Hör’ nur wie der Hanne ihre Mutter heult und die Andern auch. Sie stirbt ja nicht. Weißt, gehn wir lieber gar nicht hinein.“