„Der „einsame Spatz“ kommt gerade heim, der versteht’s gewiß, ob dem Kind was geschehen ist,“ schrie eine Frau, und ein paar Kinder liefen dem Sonderling entgegen. Sein glattes rosiges Gesicht wurde ganz weiß, als die Kinder ihm zuraunten: „Die Hannerl ist vom Dach gefallen!“

Rasch trat er hinzu, kniete neben der Verunglückten nieder, legte sein Ohr an ihr Herz und an ihren Mund, schaute forschend in das schmale Gesichtchen und bewegte dann vorsichtig alle ihre Glieder in den Gelenken. Als durch den halbstarren Körper zweimal ein leichtes Zittern rann, sagte er mit zagender leiser Stimme:

„Ich glaube, der rechte Arm und das rechte Bein ist gebrochen. Bitte, holen Sie doch gleich einen Arzt und öffnen Sie dem Kinde das Kleid. Es ist ohnmächtig.“

Als die Weiber der Hanne ihr Jäckchen aufknöpften, schlüpfte der Kreuzschnabel, den sie an ihrer Brust geborgen hielt, heraus, schüttelte sein feuchtes Gefieder, drehte das Köpfchen und schrie lauter als sonst sein abgehacktes „Zock-Zock!... Zock!...“

Da zuckten auch die Wimpern der kleinen Hanne, sie athmete leise und hob endlich mühselig die Lider, etwa eine Minute lang schaute sie groß und freundlich dem Leopold in die Augen, dann war alle Kraft zu Ende.

„Die Glieder gebrochen,“ sagte der Arzt, nachdem er sie untersucht hatte, und er ließ das Kind in die Stube ihrer Mutter tragen. Alle Leute, welche die kleine Hanne umstanden hatten, folgten jetzt den Trägern, sodaß es sich ansah wie ein Leichenzug... So ein Gedanke mochte wohl auch durch das langsame Hirn der rothen Lene gegangen sein, denn sie hielt sich an dem leeren Aermel des Leopold, lief neben ihm her und flüsterte:

„Du Lepold!“

„Was willst, Lenerl?“

„Muß die Hanni sterben?“

„Aber Kind!“ sagte der Heimgekehrte.