»Die Anlage ist gemacht, daß sie das Gemüt und den Verstand erfüllet«, antwortete ich, »die grüne Wand des Eppichs schließt ruhig ab, die zwei Eichen stehen wie Wächter und das Weiß des Steins geht sanft von dem Dunkel der Blätter und des Gartens weg.«
»Es ist alles nach und nach entstanden, wie die Mutter erzählt«, erwiderte sie, »der Eppich ist erzogen worden, die Wand vergrößert, erweitert und bis an die Eichen geführt. Selbst in der Halle war es einmal anders. Die Bank war nicht da. Aber da der Marmor so oft betrachtet wurde, da die Menschen vor ihm standen oder selbst in der Halle neben ihm, da die Mutter ebenfalls die Gestalt gerne betrachtete und lange betrachtete: so ließ sie aus dem gleichen Stoffe, aus dem die Nymphe gearbeitet ist, diese Bank machen, und ließ dieselbe mit der kunstreichen, vorchristlich ausgeführten Lehne versehen, damit sie einerseits zu dem vorhandenen Werke stimme und damit andererseits das Werk mit Ruhe und Erquickung angesehen werden könne. Mit der Zeit ist auch die Alabasterschale hieher gekommen.«
»Die Menschen werden von solchen Werken gezogen«, antwortete ich, »und die Lust des Schauens findet sich.«
»Ich habe diese Gestalt von meiner Kindheit an gesehen und habe mich an sie gewöhnt«, sagte sie, »haltet ihr nicht auch den bloßen Stein schon für sehr schön?«
»Ich halte ihn für ganz besonders schön«, erwiderte ich.
»Mir ist immer, wenn ich ihn lange betrachte«, sagte sie, »als hätte er eine sehr große Tiefe, als sollte man in ihn eindringen können und als wäre er durchsichtig, was er nicht ist. Er hält eine reine Fläche den Augen entgegen, die so zart ist, daß sie kaum Widerstand leistet und in der man als Anhaltspunkte nur die vielen feinen Splitter funkeln sieht.«
»Der Stein ist auch durchsichtig«, antwortete ich, »nur muß man eine dünne Schichte haben, durch die man sehen will. Dann scheint die Welt fast goldartig, wenn man sie durch ihn ansieht. Wenn mehrere Schichten übereinander liegen, so werden sie in ihrem Anblicke von Außen weiß, wie der Schnee, der auch aus lauter durchsichtigen kleinen Eisnadeln besteht, weiß wird, wenn Millionen solcher Nadeln auf einander liegen.«
»So habe ich nicht unrecht empfunden«, sagte sie.
»Nein«, erwiderte ich, »ihr habt recht geahnt.«
»Wenn die Edelsteine nicht nach dem geachtet werden, was sie kosten«, sagte sie, »sondern nach dem, wie sie edel sind, so gehört der Marmor gewiß unter die Edelsteine.«