Es wurden verschiedene Feste nach der Schlacht zu Ehren der Seehelden veranstaltet. Die Gefallenen wurden zusammen in einem großen Grabe beerdigt, und Ein Hügel wurde über sie, wie über die Helden des Alterthums, aufgeworfen. Bei dieser Gelegenheit schrieb ich einige Gedichte. Es wurden viel gute Lieder gedichtet, aber auch unendlich viel schlechte und trivielle, was bei der eiteln Wiederholung des Abgenutzten nur die Begeisterung travestirte.
Nun wurden auch Unteroffiziere und Sergeanten für die Studenten gewählt. Offiziere konnten damals nur wirkliche Militairs werden; nur ein Paar Veteranen, Rahbek und Thomas Christoffer Bruun, die aus alter Studentenliebe in das Corps eingetreten waren, wurden als Lieutenants à la suite angestellt. Bei dieser Gelegenheit zeichnete Rahbek sich sowohl durch seinen außerordentlichen Eifer für den Dienst, wie durch seine Unbeholfenheit aus, die sich besonders beim Marschiren zeigte, wenn er bei feierlichen Gelegenheiten als Lieutenant mit dem Säbel in der Hand marschirte.
Ich wurde gleich Unteroffizier, und kurze Zeit darauf Sergeant und Fahnenjunker beim ersten Bataillon. Meine ästhetische Preisabhandlung und einige im „Zuschauer“ und in der „Charis“ abgedruckte Gedichte verschafften mir vielleicht die Stimmen zu dieser Wahl; denn ich hatte nur wenige persönliche Bekanntschaften unter den Studenten gemacht.
Das Lied vom braven Manne.
Ein seltsames Ereigniß muß ich erzählen, das zu dieser Zeit eintraf. Ich hatte Bürgers „Lied vom braven Manne“ gelesen, es begeisterte mich, und ich übersetzte es in's Dänische. Gerade als ich es beendigt hatte, trat L. Kruse in mein Zimmer. Ich frage: „Was giebt's Neues?“ — „„Hast Du nichts von dem heftigen Sturme heute Nacht gemerkt?““ — „Nein, ich habe ruhig geschlafen.“ — „„Es ist gewiß viel Unglück auf dem Meere geschehen,““ fuhr Kruse fort — „„aber ein Unglück wenigstens ist durch den Heldenmuth eines Seemanns verhindert worden. Die Leute auf einem gestrandeten Schiffe, weit draußen auf der Rhede, konnten sich nicht retten; tausend Menschen standen auf der Zollbude, keiner wagte sich hinaus. Da kam der Grossirer Staal Hagen, und versprach Demjenigen eine bedeutende Summe, welcher sie retten würde. Der Fischer Lars Bagge springt in ein Boot, rettet die Schiffbrüchigen mit Lebensgefahr, und bittet den Kaufmann, diesen das Geld zu geben; selbst wolle er nichts haben.““ — „Nein!“ — rief ich aus — „das ist zu seltsam!“ — „„Was meinst Du?““ — „Da liegt die ganze Geschichte poetisch beschrieben auf dem Tische! Ich brauche nur die Namen und einige Nebenumstände zu verändern.“ Ich erzählte nun Kruse den Zusammenhang, und er war eben so erstaunt wie ich. Das Gedicht wurde gedruckt und gefiel; aber den wunderbaren Zufall verschwieg ich, aus Furcht, daß man ihn für erdichtet halten würde. Viele Jahre später habe ich das Ereigniß in meinen gesammelten Gedichten, in dem kleinen Gedichte „die Vorahnung,“ welches der Romanze Lars Bagge folgt, erzählt.
Der ehrwürdige alte Tode war Rector in dem Jahre, wo ich Student wurde; er hatte meine kleinen Gedichte gelesen, und besonders hatte Lars Bagge ihm gefallen. In einem kleinen Gedichte, das er mir für mein Siofna gab, hat er mir zuviel Lob gespendet; unter Anderm stand da: