Ich habe bereits früher der Stelle erwähnt, wo die Jomsburgerinnen sich vor Erik verbeugen, der die Stadt eingenommen hat und indem sie ihn bekränzen, singen:

„Keine Ketten uns umschlingen!
Kühl' den Haß im Blute!
Selbst im Tode noch wir singen:
Erik hoch! Der Gute!

Ich möchte es so gern unterlassen, Baggesen's Schwächen und Sünden nach seinem Tode aufzudecken; da man aber später in seinen Werken Schmähschriften gegen mich aufgenommen hat, die dem ewigen Vergessen hätten übergeben werden müssen, so muß ich der Wahrheit ihr volles Recht lassen, damit eine unparteiische Zukunft die Verhältnisse beurtheilen könne. Man spricht davon, daß er für ein Princip gewirkt habe!! Guter Gott! Kein Mensch in der Welt hat weniger für oder nach Principien gehandelt, als Jens Immanuel Baggesen! In Fichte's, Jakobi's, Reinhold's Schriften hat er etwas gelesen, hierzu veranlaßt durch die persönliche Bekanntschaft mit diesen Philosophen, aber seine eigne Kunst, die Poesie hat er nie studirt. Und sein Geschmack? Meine Schwester und ich haben ihn von Wieland zu Göthe bekehrt. Er warf mir ja vor, „daß ich mir die Taschen zu voll mit Göthe's unterirdischen Granaten gestopft und meinen schönen runden Hut durch ein Calderonsches Theater viereckig gemacht hätte.“ Solche Principien waren es, die er damals und später, erst mit schlechten Witzen, später mit Unwahrheiten, Verdrehungen und Schmähworten geltend machen wollte.

Mittheilungen aus der Heimath.

Er schickte mir von Marly aus einen Brief, in dem er einen andern Brief, den er von meiner Schwester empfangen, abgeschrieben hatte. Ich theile hier beide mit.

Den 30. September 1807.

„Obwohl ich fast überzeugt bin, daß Du, Bröndsted und Koës mit der letzten und einzigen Post von Kopenhagen Nachricht erhalten habt, so eile ich doch, bester Adam, Dir die meinige mitzutheilen, die ich Dir mündlich bringen wollte, sie aber wegen einer plötzlichen Unpäßlichkeit, welche mich verhindert zur Stadt zu fahren, jetzt nur schriftlich geben kann.

Wenn Du Hans Christian's Brief nicht bekommen hast, wird es Dich erfreuen, zu erfahren, daß die Deinigen alle wohl, Dein Vater aus Friedrichsberg und Oersteds in Christianshafen sind. Mein Brief ist vom 12. von Christianshafen datirt, ist erbrochen gewesen und mir mit dem Siegel des Königs aus dem Hauptquartier in Kiel zugesandt worden. Er ist von Sophie und enthält auf einer einzigen in Schnelligkeit geschriebenen Octavseite nur — doch ich werde ihn Dir Wort für Wort abschreiben.“ —

Christianshafen, den 12. September 1807.

„Wir sind alle glücklich gerettet und befinden uns recht wohl. Die erste Nacht, als Kopenhagen bombardirt wurde, brachten wir in der Weststraße auf unsern Zimmern in der größten Lebensgefahr zu. Es regnete Bomben und rund umher schlugen sie ein; es brannten mehrere Häuser in der Nähe unserer Wohnungen ab, aber der gute Gott beschützte uns. Den Tag darauf verließen wir das Haus und zogen nach Christianshafen her. In der darauf folgenden Nacht war der Angriff noch stärker und währte bis zum Mittag des folgenden Tages. Da schlugen denn auch Bomben in unsere Wohnung in der Weststraße ein, und in dem Zimmer, wo wir uns aufgehalten und das wir dadurch zu schützen gesucht hatten, daß wir auf dem Boden eine Elle hoch Pferdedünger (ein Mann würde Pferdemist schreiben) aufwerfen ließen, wurden die Decken zertrümmert und die Fenster eingeschlagen; wären wir da geblieben, so würden wir verwundet oder getödtet worden sein. In der dritten Nacht war das Bombardement noch viel stärker und größer und da brannte die Frauenkirche, der Zimmerplatz und ein großer Theil der Stadt. Nun hieß es, daß man auf Christianshafen nicht mehr sicher sei, und wir flohen, wie wir waren, nach Amager hinaus; denn nun wollte der Feind nach den Kirchen und dem Laboratorium auf Christianshafen zielen; auf Amager brachten wir eine entsetzliche Nacht zu und harrten des kommenden Morgens mit ängstlicher Erwartung — er kam und mit ihm der verzweifelte Frieden. O du guter Gott! Das ist und bleibt doch ein ewiger Jammer!