„Ich halte in der Welt
Kein einzig Ding für recht, das Grethen nicht gefällt.
Nichts Höh'res kenne ich, als dies für mich auf Erden,
Und Grethe wünscht es nicht, mit Dir vermählt zu werden:
Das meine Antwort. Lebe wohl!“
Ein Urtheil Göthe's.
Später — und gerade aus Riemer's Briefen — erfuhr ich, daß sich die Sache doch nicht ganz so verhielt, wie er es mir selbst gesagt hatte. Ich glaubte nämlich, daß Göthe nicht meinen Correggio lesen wollte, aber er hatte ihn gelesen, er hatte ihm jedoch mißfallen; eben so wie Hakon Jarl ihm mißfallen hatte, als er ihn zum ersten Mal hörte. So vielseitig Göthe auch gern scheinen wollte, war er doch an gewisse Formen und Ansichten gefesselt, und war nichts weniger als ein guter Kritiker, da Persönlichkeit und Parteilichkeit einen zu großen Einfluß auf ihn hatten. Auch war er eifersüchtig auf Alles, was sich ihm zu nähern wagte. Er wollte wohl protegiren und das Unbedeutende unterstützen, hatte z. B. große Aufmerksamkeit für jede dramatische Kleinigkeit in Italien — aber den Norden, Dänemark, Skandinavien ignorirte er als Nebenbuhler des deutschen Ruhmes, als Theilnehmer an germanischen Vorzügen, und er bewahrte über uns stets eine arge Unwissenheit, welche sich unter Anderem darin zeigte, daß er, als er später von mir sprach, sagte: „Wenn diese Nordländer ihre Bären auf den Hinterbeinen tanzen lassen können, glauben sie, was Rechtes zu sein.“
Als ich das letzte Mal in Weimar war, hatte ich noch — da er es nicht hören wollte — meinen Correggio der Frau von Schiller vorgelesen; und die Erbprinzessin von Weimar erwies mir die Ehre, Zuhörerin bei der Witwe des großen Dichters zu sein. Mein Correggio hatte ihnen Beiden sehr gefallen. Göthe's bestem Tragiker, Wolff (viele Jahre darauf Verfasser der Preciosa), las ich auch das Stück vor, und er freute sich in der Hoffnung, bald einmal die Hauptrolle spielen zu können. Alles Dieses, hörte ich nun viel später, hatte Göthe verdrossen, und er war erzürnt darüber, daß ich, wie er glaubte, andere Wege ginge, um mein Stück in Weimar aufführen zu lassen. Das fiel mir gar nicht ein. Ich hatte die Gewißheit, daß das Stück in Kopenhagen aufgeführt werden würde, was mir viel größere Vortheile verschaffte, als mir sie Weimar bieten konnte.
Abschied von Deutschland.
So reiste ich also nach Hause, nachdem ich die Gunst des großen Göthe verloren hatte.
Fußnoten:
[1] Ein Gut zwei Meilen nördlich von Kopenhagen am Oeresund.
[2] Job, d. h. Jakob Mynster, damals Prediger im seeländischen Dorfe Spielderup.