Wenn die alten Skalden zum Preise der Könige sangen, erhielten sie einen goldnen Armring; als Friedrich VI. vor sieben Jahren den Dannebrogorden erweiterte, so daß derselbe nicht nur ein vornehmer Hofschmuck, sondern ein wirkliches Ehrenzeichen sein sollte, gab er gleich Thaarup, der ihn in dem Erntefest und in Peter's Hochzeit besungen hatte, diesen Orden. Vor sieben Jahren hatte ich bereits Aladdin und Hakon Jarl geschrieben; aber dafür bekam ich ihn nicht, nun erhielt ich ihn.

Einer, der ihn nicht bekommen hatte, nicht erhielt und mit Recht meinte, daß er ihn wohl verdient hätte, war Baggesen. Da Baggesen es nicht an Weihrauch für den König gespart hatte, und da er ein ausgezeichneter Dichter und als solcher von Friedrich VI. anerkannt war, so kann man sich die Zurücksetzung auf keine andere Weise erklären, als daß der König mit Baggesen's damaligem Benehmen unzufrieden war. Ein Mann, der in jener Zeit Baggesen's Vertrauen besaß, hat mir erzählt, daß derselbe deshalb besonders einen tödtlichen Haß auf mich geworfen hätte, und ich war doch ganz unschuldig.


Andersen Feldborg.

Im Sommer 1816 hatte ich die Freude, mit meiner ganzen Familie in Friedrichsberg bei dem Lieutnant Bonsach, dem Bevollmächtigten meines Vaters, zu wohnen. — Eines Tages, als ich in meiner Einsamkeit mit einem englischen Buche dasaß und mich darüber ärgerte, daß ich nicht besser Englisch verstand, trat ein Fremder ein, um meine Bekanntschaft zu machen. Er war bleich, von etwas gelber Farbe und blatternarbig; auch schielte er etwas mit dem einen Auge; aber sein Gesicht hatte einen gutmüthigen, muntern, etwas schelmischen Ausdruck. Er nannte sich Andersen Feldborg und kam geradeswegs von England, wo er mehrere Jahre gelebt hatte und ganz zum Engländer geworden war. Er war zu seiner armen Schwester (wie er sie nannte, obgleich ich glaube, daß ihr Nichts fehlte) herübergekommen, und, um so lange es ihm hier gefiele, Sprachlehrer zu sein. Ich zeigte ihm das Buch, in dem ich las, und sagte: „Nun das ist ja herrlich! da können wir gleich anfangen; ich bedarf gerade eines englischen Sprachlehrers.“ Diese Introduction war ganz nach seinem Geschmack; er gab mir eine Stunde und aß zu Mittag bei mir, was er später oft that. Er war ein wunderlicher Gesell. Er erzählte mir seine Erlebnisse; wie er als ganz junger Mensch die Idee bekommen hatte, nach London zu reisen, wo er ohne Zweifel in der äußersten Noth zu Grunde gegangen sein würde, wenn ihn nicht ein guter Mann getroffen und geholfen hätte, bis er bei einem Buchhändler angestellt wurde. Er verstand vortrefflich Englisch, wie ein Eingeborner, und verleugnete doch nicht seine Muttersprache. Er bekam bald so viele Stunden, als er gebrauchte, um anständig zu leben: aber er war ein großer Freund, halbe Tage vom Mittage an bei seinen Eleven, die bald seine guten Freunde wurden, zuzubringen, die ihn im Anfange gern von Sir Walter Scott, den damals die ganze Welt las und bewunderte, erzählen hörten. Dieser wunderliche, lustige, lebensfrohe und doch an die größte Dürftigkeit gewöhnte Mensch hatte zuweilen einen Anfall, der mich sehr beunruhigte, als ihn derselbe einmal bei mir befiel. Dies war ein Anfall, der früher eigentlich nur die Damen befiel, aber nun selbst bei diesen nicht mehr im Gebrauch war, und den man nur noch in den alten Komödien antraf, wenn die Väter sich zu streng gegen die Töchter zeigten: er fiel in Ohnmacht. Mir wurde ganz bange, ich hob ihn auf und rief nach Riechwasser, oder, in Ermangelung dessen, nach Essig. Aber ehe der Essig kam, schlug Feldborg die Augen auf, und als er sich in meinen Armen fand, rief er: „Das ist der dritte Dichter, in dessen Armen ich heute liege.“ Er hatte nämlich denselben Anfall bei Ingemann, und bei einem Dritten gehabt, dessen Namen ich vergessen habe. Als ich merkte, daß er die Sache hier auch von der muntern Seite auffaßte, hörte meine Furcht auf. Er erholte sich sehr bald und aß mit dem gewöhnlichen Appetit zu Mittag.

Er kam auch oft zu Rahbeks. Ein Mal blieb er des Abends so lange dort, daß sie ihm auf ein paar Stühlen ein Bett zurecht machen mußten, weil es zu spät war, um vor Thoresschluß die Stadt zu erreichen. Später, wenn dies wieder geschah, schlief er in einem kleinen Wirthshause auf der Westerbrücke, welches zum „blauen Ochsen“ hieß. Als er eines Abends etwas lange mit dem Fortgehen zögerte, machte Frau Rahbek ihn in ihrem gewöhnlichen scherzenden Tone darauf aufmerksam, daß das Hügelhaus nicht der blaue Ochse sei, worauf er schnell forteilte.


Auf Friedrichsberg hatte ich einen Besuch von dem berühmten E. M. Arndt, nicht dem früher erwähnten Sonderling, sondern dem Professor in Bonn, dem Verfasser vom „Geist der Zeit,“ nach seiner Art auch ein Alterthumsforscher. Er beschäftigte sich nämlich damit, die Spur der Ausbreitung der alten Volksstämme zu untersuchen, die sich natürlich nicht nach den gegenwärtigen geographischen Eintheilungen richteten. Arndt war in Schweden gewesen und hatte sich über die Dalekarlier gewundert, ein untersetztes schwarzhaariges, heftiges Geschlecht, von südlicher Natur, nach Arndt's Ansicht durch eine unbekannte Völkerwanderung zwischen die schlanken, blonden, ruhigen Skandinaven eingekeilt.


Bühnen-Conflicte.