Auf der nächsten Station sahen wir die Churfürstin mit ihrem Gefolge in das nächste Wirthshaus gehen. Wir hielten uns in der Entfernung und ich schlug Bertouch vor, in einen andern Gasthof zu gehen. Wie wir eben beim Essen saßen, kam der Kammerdiener ganz außer Athem zu uns herein; er hatte uns überall gesucht und sollte uns einladen mit Ihrer Hoheit zu speisen.
Da wir nun bereits gegessen hatten, so kam er zurück um uns zum Kaffee bei der Churfürstin auf der nächsten Station einzuladen. Dies geschah, und Ihre Hoheit war sehr gnädig und freundlich.
Bei meiner letzten Abendwanderung traf ich in einer schönen Gebirgsgegend einen Bauer, der mit einigen irdenen Gefäßen nach Hause ging, die er im nächsten Dorfe für seine Wirthschaft gekauft hatte. Ich ließ mich in ein Gespräch mit ihm ein. Er erzählte mir von seinen Kindern und seinem Glücke. Ich sagte ihm, daß ich auch Kinder hätte. „Ja das ist wohl die größte Freude“ fuhr er fort; „wohnen Sie weit von hier?“ — „„In Kopenhagen in Dänemark““ war meine Antwort. — „Ach das muß sehr weit sein,“ rief er aus, „dort wohne ich.“ — Und in demselben Augenblicke sah ich ein hübsches Haus am Wege, die Thüre stand offen und zwei blühende Kinder, ein Knabe und ein Mädchen, saßen auf der Schwelle. Kaum erblickten sie den Vater, als sie ihm entgegensprangen. Er hob sie auf, küßte sie und schenkte jedem von ihnen einen kleinen irdenen Topf mit hübscher Glasur. Ich sagte niedergeschlagen Lebewohl und eilte fort. — Alle Heiligenbilder am Wege waren zum Pfingstfeste mit Blumen und Laubwerk geschmückt. Die bunten Laubhütten in denen Maria mit dem Jesuskinde stand, waren erleuchtet. Ich sah Maria's und Jesus' vergoldete Kronen durch die Blätter schimmern, und eine große Schaar kleiner Kinder lag rund umher auf den Knieen und sang und betete in der Abendröthe.
Ankunft in Wien.
Ich bin nun hier in Wien, und habe durch unsern Chargé d'affaires, Herrn von Koss mehrere Bekanntschaften gemacht. Ich war bei den Baronen Arnstein und Eskeles auf ihrem hübschen Landhause in Hitzing. Die Damen dieser Familie sind sehr gebildet und lieben die Poesie. Bei meinem alten Freunde Breuß, bei der Dichterin Karoline Pichler, die so geistreich und gutmüthig ist, mit ihrem österreichischen Accent. Die Schauspielerin und Dichterin Frau Weißenthurn habe ich auch besucht, und fand bei ihr die besten Schauspieler: Korn, Koch, Koberwein u. s. w. Man hat hier im Burgtheater Axel und Valborg und Correggio gegeben, welche, besonders das letztere, viele Glück machten. Hakon Jarl im Theater an der Wien aufgeführt, mundete nicht recht; er ist zu nordisch. — Ich bin bei dem Fürsten Metternich gewesen, und fand hier die Großen des Landes, die Liechtensteine, Esterhazy, Dietrichsteine beim Spieltische sitzen. Eben als sich Metternich in ein Gespräch mit mir einlassen wollte, kam der Kronprinz von Baiern und zog ihn in ein andres Zimmer. Den Tag darauf reiste Metternich nach Italien, sodaß ich fast gar nicht mit ihm gesprochen habe. Fürst Odescalchi lud mich zu Mittag in seinen großen Palast ein; er ist ein eifriger Freund der Poesie und des Schauspiels, und obgleich geborner Italiener, durchaus Deutsch. Im Hofrath Sohnleitner fand ich einen sehr angenehmen gastfreien Mann. Er war bei der Leitung des Burgtheaters betheiligt, wurde aber der Sache bald überdrüssig. Er hatte meinen Hugo von Reinberg zu übersetzen angefangen, hielt aber damit inne, als er hörte, daß ich es selbst thun wollte.
Solchen Staub hab ich noch nie gesehen. Die Luft wird oft ganz damit angefüllt. So südlich Wien liegt, hat es doch ein nördliches Klima. Bei dem häufigen Winde hier muß man Tacitus beistimmen, wenn er sagt: „Terra ventosior, qua Noricum ac Pannoniam adspicit.“ —