Schinkel zeigte uns seine trefflichen Zeichnungen zu einer gothischen Kirche, so wie es vor ein paar Jahren der Plan war, sie hier zu bauen. Nun wird aber wohl nichts daraus. Die meisten der schönen Decorationen, die man auf dem Theater hatte, die aber nun leider beinahe alle verbrannt sind, verdankte man Schinkel. Besonders sollen die Decorationen zu Fouqué's Undine, von Hoffmann entworfen, vortrefflich gewesen sein. Kühleborn's Erscheinung und Undine's Geist in den klaren Springbrunnen sollen jede Erwartung übertroffen haben.


Ich habe einmal beim Grafen Brühl zu Mittag gegessen. Er hat einen schönen Garten, wo der Tisch unter einem Zelt in der Nähe hoher, schattiger Pappeln gedeckt war. Die Gräfin ist eine liebenswürdige, schöne Dame, voller Geist, und, was merkwürdig ist, liebt und zieht die deutsche Literatur der französischen vor, obgleich sie Französisch erzogen ist. Sie spricht auch sehr gut Deutsch und der leise Anklang des französischen Accents steht ihr gut.

Ich war auch ein paar Mittage in dem großen Garten bei dem Buchhändler Reimer, der nun nach Hause gekommen ist. In solch schönen Gärten vergißt man ganz, daß man sich in den Berliner Sandebenen befindet, denn der Thiergarten ist gar nicht schön. Auch in diesem habe ich einen Mittag bei dem General Helvig und dem jungen schwedischen Dichter Atterbom zugebracht. General Helvig ist ein rascher, lebendiger, gewandter Weltmann und Atterbom ein blonder, schwärmerischer Jüngling, dessen Anlagen zu den besten Hoffnungen berechtigen. Ich disputirte mit Helvig über den Magnetismus, gegen den er sehr stark eiferte und ihm jede Wirkung absprach; ich führte an, was ich bereits früher erzählt habe.


Ein Magnetiseur.

Professor Wolffhardt treibt hier den Magnetismus ins Große und hat eine ordentliche Fabrik für seine Patienten, die er alle mit Hülfe desselben curirt. Herr Muhr aus Kopenhagen, der sich auch auf diesen Zweig der Wissenschaft legt, führte mich in Wolffhardt's Laboratorium, einen großen, finstern Saal, voll von Herren und Damen, die stumm wie das Grab da saßen und sich selbst magnetisirten. Zwei große magnetische Säulen stehen in jedem Winkel des Saales; von diesen Säulen gehen dünnere Stahlstäbe aus. Nun setzen die Patienten sich in zwei Kreisen um die Hauptsäulen; jeder nimmt seine Stahlstange in die Hand, setzt sie auf die Herzgrube, und fängt nun an so lange darauf zu reiben, bis er in Schlaf fällt. Darauf führt der Professor die Schlummernden auf einige kleine Sophas, die sich an den Wänden hinter grünen Gardinen befinden. Und wenn nun Jeder in seinem Behältniß sitzt, so flüstert er ihnen, wie ein Beichtvater in einem Beichtstuhle, zu, und erhält Antwort. Uebrigens herrscht Todtenstille da, und Keiner spricht mit dem Andern ein Wort. Ich folgte Wolffhardt, und hörte ihn eine Dame Etwas über ihren Zustand fragen. Sie sagte: daß sie noch einige Wochen das Medicament gebrauchen müsse, das sie angefangen habe u. s. w. Es war nicht so amüsant, wie bei Tschöppholz in Wien. Hier waren mir zu Viele, es war nicht so zauberhaft, wie mit jenem einzelnen Clairvoyant; und mochte es nun daher kommen, daß ich mich an diese Vorstellung gewöhnt hatte, oder was es sei — kurz — ich hatte genug an dem einen Male und kam nicht öfter, obgleich der Professor so freundlich war, mir freien Zutritt zu erlauben, so oft ich wollte.


Professor Solger.

Ich habe einen Abend bei Frau Reichardt zugebracht. Ihre Tochter Sophie sang mir einige von den Liedern des Vaters vor und wir träumten uns nach Giebichenstein zurück. Hier traf ich den Professor Solger. Ich las ihm meine Romanze „der Walrabe“, die ich kurz vorher ins Deutsche übersetzt hatte, vor. Ich besuchte ihn ein paar Tage darauf mit Tieck. Der Mann interessirte mich als ein geschmackvoller Gelehrter. Seine Uebersetzung des Sophokles hatte ich sehr fleißig studirt und mich dadurch sowohl mit dem Trimeter, wie mit der musikalischen Schönheit des Chors und der effectvollen Anwendung der Anapästen und Spondeen bekannt gemacht. Aber ich merkte wohl, daß Solger nicht viel mehr für mich empfand. Er und Tieck lobten unablässig den verstorbenen Heinrich Kleist als einen großen Dichter, dessen Tod eine empfindliche Lücke in der deutschen Literatur zurückgelassen hätte. Darin war ich auch einig mit ihnen, denn ich achtete selbst dieses Talent sehr hoch. Dagegen konnte ich nicht ihren Enthusiasmus für die Tragödie „der Prinz von Homburg“ theilen, die mir zu preußisch ist, als daß sie recht poetisch sein könnte, und in der das Motiv „augenblickliche Feigheit“ eines sonst braven Officiers etwas Peinliches und Kleinliches hat. Solger war ein blinder Bewunderer Tieck's und nahm all' dessen Ansichten in seine Philosophie auf. In seinem „Erwin,“ den ich etwas später las, fand ich dies bestätigt. Ich ward in diesem Buche in eine Klasse mit Werner und Fouqué gestellt und als ein untergeordneter Dichter betrachtet. Aber daran bin ich bei den norddeutschen Literatoren gewöhnt (in Süddeutschland spricht man in einem andern Tone). Doch habe ich den Trost, daß Solger in seinem Buche mit Verachtung von Jean Paul's Aesthetik, einem Werke, spricht, das leben, beliebt sein und gelesen werden wird, so lange eine deutsche Literatur existirt. Solger ist fast schon vergessen.