Lund. Tegnér.
Nachmittags fuhren wir nach Lund, um das Concert von Fräulein Schoulz in dem alten Dom zu hören. Mit welcher Ehrfurcht betrat ich diesen Tempel! Eines der größten Denkmäler dänischer Geschichte. Absalon's, Anders Sunesen's und Saxos Heimath, von wo die älteste dänische Wissenschaftlichkeit ausging. Ich erhob die Augen mit Ehrfurcht zu der heiligen Wölbung, unter welcher der Staub so vieler dänischer Ritter und Geistlichen ruht. Ich sah in der Krypta den versteinerten Zauberer Finn die Säule umklammern, und oben in dem innern Chor stand der heilige Laurentius aus Erz gegossen, auf einer Säule, seinen Rost in der Hand haltend. In dem äußern Chor der Kirche war eine Erhöhung mit reichen Blumengewinden und Kränzen zum heutigen Feste gebaut. Aber heute Abend benutzte sie das junge schwedische Fräulein, und schlug wie eine Nachtigall ihre reinen Triller unter der Wölbung in die Abendröthe hinaus, zur Freude für die vielen Menschen, welche die Kirche anfüllten. Hier traf ich meinen Freund, den Bischof Tegnér wieder, der mich verschiedene Male in Kopenhagen besucht hatte.
Wir aßen Abends zusammen bei der Frau Bischof Faxe, und wurden durch die Studenten vom Tisch in den Lustgarten gerufen, um ein Vivat zu empfangen, das sich verstärkte, als wir unsern Dank und unsere Gefühle in einigen herzlichen Worten aussprachen.
Akademische Feierlichkeit.
Am nächsten Tage verkündete der tiefe, starke Glockenklang vom Thurme des ehrwürdigen Doms herab die Feierlichkeit. Man versammelte sich im Museum; die ganze gelehrte Welt aus den südlichen schwedischen Provinzen war zugegen und auch ein Theil der Honoratioren aus der Nachbarschaft.
Der Zug ging in folgender Ordnung zur Kirche: erst zwei kleine, hübsche, weißgekleidete Mädchen mit herabhängenden Locken, welche Körbe mit Lorbeerkränzen trugen; dann die jungen Gelehrten paarweise, die zu Magistern creirt werden sollten. — Nun bahnten die Pedelle, mit silbernen Sceptern in den Händen einer neuen Abtheilung den Weg, dessen erstes Paar war: Tegnér, der als Bischof in Wexiö für den abwesenden Schoonen'schen Bischof Faxe an der Stelle des Patrons Sr. königlichen Hoheit des Kronprinzen, dem Feste beiwohnte; neben ihm ging der Rector magnificus Engeström in rothem Sammtmantel und mit einem goldgallonirten runden Sammthut. Darauf kam der oberste Befehlshaber Schoonen's, Generallieutenant Baron Cederström, neben dem man mir einen Platz angewiesen hatte, dann folgte Baron Gustav Gyllenkrok, Generaladjutant Oberst Clairfeldt und alle Professoren und Adjuncten paarweise.
Wir gingen Alle, außer dem Bischof und dem Rector, mit entblößtem Haupte in die Kirche. Es war eine starke Sommerhitze, und ich mußte meinen Hut oft als Sonnenschirm über meinen Scheitel halten. Auf dem Wege, während der Zug sich Schritt vor Schritt durch die Stadt bewegte, hatte ich Gelegenheit die Bekanntschaft meines edlen Nachbars, General Cederströms zu machen; sein herrliches offenes Antlitz hatte mir gleich Vertrauen eingeflößt, und ich fand mich nicht getäuscht. Unsere Herzen kamen sich entgegen und ich merkte, daß es den edlen Kriegsmann erfreute, den dänischen Dichter durch einen Platz an seiner Seite zu ehren. So fand ich auch die anderen schwedischen Herren. Unter dem Geläute der Glocken und dem Donner der Kanonen traten wir in die Domkirche ein, die, obgleich sie voll Menschen war, doch durch ihre Kühlung erquickte.
Tegnér krönt mich als Dichter.
Tegnér hatte mir vorher gesagt, was er beabsichtige. „Zum Doctor kann ich Dich nicht ohne Wissen des Patrons creiren,“ sagte er: „aber er wird Nichts dagegen haben, wenn ich Dich als Dichter kröne“.