Der kleine Hirtenknabe.

Wenn die lieben Todten uns verlassen, knüpft uns das Band fester an die Lebenden. Das Jahr vorher hatte ich meine Tragödie die Blutbrüder, schön gebunden von Paris, ebenso wie mehrere Jahre vorher Hakon und andere nach Hause geschickt. Meine Frau hatte mir von der Freude geschrieben, die sie, Karl Heger, Boye und Hauch durch die plötzliche Ueberraschung gehabt haben, und ich beschloß selbst ein Mal, Zeuge einer solchen zu sein. Auf Friedrichsberg, wo Madame Voigt, die Wittwe des Schloßverwalters die Güte hatte, mir einige Jahre hindurch Zimmer für den Sommer zu überlassen, schrieb ich den kleinen Hirtenknaben, ließ ihn hübsch einbinden, und packte ihn mit einem Briefe ein, als ob er mit der Post von Paris käme. Eines Freitags nach Tisch, als die Leute beim Kaffee saßen, kam das Mädchen herein und brachte der Frau vom Hause das Paket. — Sie machte große Augen, wurde angenehm überrascht, und nun konnte ich, nachdem ich mich an der Verwunderung Aller geweidet hatte, mich selbst hinsetzen und ihnen das Stück vorlesen. — In demselben Jahre, am 3. September, schenkte mir Gott als Ersatz für so viele Verluste, meine jüngste Tochter Maria Louise.

Eine neue Bekanntschaft, die ich in der letzten Zeit gemacht hatte, und die zu einer wahren Freundschaft wurde, war die der liebenswürdigen Generalin Hegermann-Lindenkrone, vielleicht das poetischeste weibliche Gemüth, das Dänemark besessen hat; und in ihrem Familienkreise fand ich durchaus das Gepräge des freundlichen Geistes, der ihre Gedichte beseelt.

Im Jahre 1818 schrieb ich noch das Lustspiel Robinson in England. Ich hatte auch die Freude, unsern großen Landsmann Thorwaldsen wieder im Vaterlande zu sehen. Wir wetteiferten Alle, ihm zu huldigen, und bei dem Feste auf der Schießbahn, hielt ich eine Rede, und dichtete ein Lied, welches bei Tisch gesungen wurde, und sich in meinen Werken abgedruckt findet.


Die Götter des Nordens.

Die Götter des Nordens, eins meiner Hauptwerke, wurde im Jahre 1819 gedichtet. Ich wandte hier ebenso wie in Helge verschiedene Versarten zu diesen zwar zusammenhängenden, aber im Charakter und Wesen sehr abweichenden Fabeln an. Thor's Reise nach Jothunheim (bereits im Jahre 1805 gedichtet) diente dem Ganzen als Einleitung.

Am 28. November starb mein Waulundur, Christiane's Vater, mein alter Freund der Conferenzrath Hans Heger, mit dem ich mehrere Jahre hindurch in kindlichster Vertraulichkeit gelebt hatte. Er liebte mich wie ein Vater, und jedes Lorbeerblatt, das ich gewann, war, als ob er es selbst gewonnen. Der, welcher meine Gefühle für ihn näher kennen zu lernen wünscht, den verweise ich auf das Gedicht, welches ich bei seinem Tode, und auf ein anderes, welches ich kurz vorher zu seinem Jubelfeste schrieb. Beide befinden sich in meinen Werken.