Tordenskjold. Erik und Abel.
Meine folgenden Arbeiten (1820) war das Singspiel Tordenskjold und die Tragödie Erik und Abel. — Tordenskjold wurde angenommen und honorirt, aber nicht aufgeführt. Es hieß: „daß dieses Stück nicht aufgeführt werden könne, weil König Friedrich IV. darin auftrete.“ Die Erlaubniß, dänische Könige auf die Bühne zu bringen, ging nicht weiter, als bis zur Souverainetät. Christian IV. konnte folglich auftreten, aber Friedrich IV. nicht. Außerdem sang er im Stücke. Mir wäre Nichts leichter gewesen, als dieses Lied zu streichen; ja mit geringer Mühe hätte ich auch das Stück so umarbeiten können, daß der König nicht darin auftrat; aber dadurch hätte die Scene mit Tordenskjold an dramatischer Wirkung verloren; außerdem wußte ich, daß nicht deßhalb das Stück verworfen wurde, und als nun mein Freund Collin als Theaterdirector an betreffender Stelle darauf aufmerksam machte, daß das Stück angenommen sei, und daß es nicht anginge, mir meine Einnahme zu entziehen, so erhielt ich vierhundert Thaler, und war froh, da ich gern allen Chikanen ausweichen mochte, denen ich ausgesetzt war, wenn meine Stücke gespielt wurden, aber nicht das Geld entbehren konnte. Außerdem wußte ich, daß eigentlich nicht der angeführten Gründe wegen das Stück verworfen wurde; aber Rahbek vertraute mir, daß es folgendermaßen zusammenhänge: Ich hatte das Stück bei Schimmelmann's in einer großen Gesellschaft vorgelesen, wo Hofdamen und Hofherren zuhörten, und diesen gefielen die Scenen mit dem Matrosen nicht, der von Tordenskjold's Extraction von dem Kutscher der vornehmen Frau, u. s. w. spricht.
„Hättest du Ihnen wenigstens Namen als species gegeben,“ sagte Rahbek, „so hätten sie es vielleicht gehen lassen; aber nun wurde der vernünftige und der unvernünftige Hofmann als Genus genannt, und das konnte man nicht leiden.“ Das Stück wurde also nicht gegeben, und harrt noch eines guten Componisten, um vielleicht zu einer Zeit zu gefallen, wo dergleichen Einwendungen nicht mehr gemacht werden.
Tod Thaarup's.
Man las das Stück mit Vergnügen; ich hatte es Thaarup dedicirt, und hatte die Freude, diesen edlen Dichtergreis ganz zu gewinnen, der sich eine Zeitlang zur Partei meiner Gegner geschlagen hatte. In seinem letzten Lebensjahre besuchte er mich oft. Schon früher hatte sein gutes Herz und seine poetische Natur das Widerstreben oft besiegt, welches der Aeltere zuweilen empfindet, den Jüngern anzuerkennen. — Als ich das erste Mal ins Ausland reiste, sagte er zu Steffen Heger: „Wenn die Deutschen ihn nur nicht verderben!“ Heger las ihm als Antwort Etwas aus meinem Aladdin vor, und als Thaarup es gehört hatte, strich er sich auf seine gewöhnliche humoristische Weise das Kinn und sagte: „Laß ihn nur gehen! er wird sich schon hüten!“ — Ich hatte stets den Dichter des Erntefestes geliebt, und als er kurz darauf starb, schrieb ich aus vollem Herzen:
So lang noch Fischerdörfer stehn
Am dän'schen Strand beim Meerestang,
So lang noch Wellen rauschend gehn,
Stirbt, Ewald, nimmer dein Gesang.
Doch, Thaarup! auch dein Bildniß lebt,
Dein Lied klingt immer frisch und neu,
So lang noch wer die Sense hebt,
Und mäht das reiche, duft'ge Heu.
Und weht die Fahne stolz und frei,
Das weiße Kreuz auf rothem Grund,
So denkt, der Dän' des Lieds dabei
Das ihr zu Ehren sang dein Mund.
Ungefähr zu derselben Zeit gewann das Theater und besonders meine Stücke sehr viel durch das Erscheinen der beiden großen Talente Fräulein Brenöe und Herrn Nielsen auf dem Theater. Foersom war vor drei Jahren gestorben; in Ryge hatten wir den Mann, den charakteristischen Helden, den Greis für die Tragödie, aber es fehlte uns noch der Held als Liebhaber und die Liebhaberin. — Diesen Mangel füllten Herr Nielsen und Fräulein Brenöe aus. — Nielsen trat als Axel auf, zeigte was wir von ihm erwarten konnten und hatte unsere Erwartungen nicht getäuscht. Unter Fräulein Brenöe's ersten Rollen war Sophia in Erik und Abel, in der sie gleich die anmuthige und gefühlvolle Natur an den Tag legte, durch die wir später immer gerührt wurden. Ihr Genie für die Bühne zeigte sich bald in großem Umfange.