Kiartan und Gudrun ist noch nicht vom Stapel gelaufen. Es waren verschiedene andere Sachen, die Anciennetät hatten, wie z. B. „Zauberei.“ Dieses Stück soll von einem sehr tüchtigen juristischen Beamten geschrieben sein. Der Zauber ist deshalb vom juridischen Standpunkte, mit langwierigen Untersuchungen, Proceß und Richterspruch geschrieben, aber der poetische Zauber fehlt. Deshalb wohl wurde am ersten Abend geflötet. Später wurde das Stück ebenso übertrieben in den Zeitungen gelobt, und jetzt geht es seinen ruhigen Gang; das Gezänk hat dem Verleger eine nochmalige Auflage verschafft.

Von literarischen Neuigkeiten haben wir mehre erhalten. Das Beste ist ohne Zweifel Bournonville's „Mein Theater-Leben.“ Dieses Buch ist wirklich ein geniales Product, und vieles darin ist höchst interessant. Seine Schilderungen anderer Künstler, als: Frydendahl, Ryge, Talma, Demoiselle Mars, Friedr. Lemaitre u. s. w. sind ganz vorzüglich. Die Art und Weise, wie er seine Kunst bespricht, macht Vergnügen und ist belehrend. Die kleinen Poesien, die er als Anhang gegeben hat, sind gleichfalls hübsch.

Velhaven ist diesen Winter hier. Er ist ein Mann von vielem Geist und Feuer, er disputirt mit Talent und Beredtheit, — seine Poesien, elegische Betrachtungen des norwegischen Stilllebens sind oft anmuthig, aber zu monoton und zu wenig original.

Ich habe in dieser Zelt aufs Neue meinen Amleth ins Deutsche übertragen. Erst hatte ich ihn wie die dänische Tragödie in Trimetern geschrieben, ich bemerkte aber, daß er dadurch etwas Steifes und Gezwungenes erhalten und schrieb ihn jetzt in fünffüßigen Jamben um. Das ist so zu sagen zu meinem Privatvergnügen. Die Deutschen kümmern sich für den Augenblick nicht um unsere Literatur. Ich konnte in Deutschland (viel habe ich allerdings auch nicht darum sollicitirt) keinen Verleger finden; Dahl in Christiania verlegt die letzte Sammlung meiner ins Deutsche übersetzten Werke, wofür er natürlich nur ein geringes Honorar zahlen kann. Aber es amüsirt mich, und wenn auch kein einziger Deutscher lesen würde, was ich schreibe. Es wird schon eine bessere Zeit kommen. Auch Kiartan und Gudrun übersetze ich jetzt. Ein wenig Schriftstellerei muß ich als Morgenbeschäftigung treiben; immer lesen kann ich doch nicht. Zum Frühjahr, wenn wieder etwas belebende Wärme in die Luft kommt, und ich nach Frederiksberg ziehe, nehme ich wieder meine Lebens-Erinnerungen vor.


Tod Christian's VIII.

Den 22. Januar 1848.

Die Trauer, die das Land und mich durch den Tod des Königs getroffen, kennst Du bereits. Ich will nicht von dem Uebrigen reden, aber er war in 46 Jahren einer meiner aufmerksamsten und theilnehmendsten Zuhörer!

„Er gab mir Garten und Haus, Neigung, Muße, Vertrauen, Niemand brauch' ich zu danken als ihm, und Manches bedurft' ich, Der ich mich auf den Erwerb, schlecht als ein Dichter verstand.“

An seinem letzten Geburtstage war ich der Einzige, dem er seine königliche Gunst bezeigte[3]. An seinem letzten gesunden Lebenstag traf es sich so schön, daß ich ihn besuchte und ihm ein frohes Neujahr wünschte.