Im Thiergarten speisten wir einmal in Byström's Villa. Ein schönes Haus hat er sich dort ganz im italienischen Style erbaut und mit einem großen Theil seiner Arbeiten in der Hoffnung geschmückt, daß König Karl Johann, der ihn sehr ehrte und königlich bezahlte, es kaufen sollte. Unglücklicherweise starb der König 14 Tage zu früh, sonst wäre es geschehen. Aber Byström ist so reich, daß es ihn doch nicht ruinirt.
Meine Reise von Stockholm und Upsala nach Danemora will ich Dir nicht nochmals erzählen — wie Holberg's „Geert Westphaler“ die seinige von Hadersleben nach Kiel — die Zeitungen haben auch schon darüber berichtet. Nur das muß ich noch hinzufügen, daß das Dampfschiff, welches uns trug, mit Kanonen salutirte und daß von mehreren der Orte, an denen wir vorübersegelten, gleichfalls mit Kanonen salutirt und mit weißen, wehenden Tüchern gegrüßt wurde. In Upsala selbst hatten wir — wie billig — auch einen Besuch von Aukathor. Er schlug dem Verfasser von „Thors Drapa“ zu Ehren einige Fenster mit großem Hagel bei Böttiger ein, wo ich zu Mittag aß. Später, beim Feste, beleuchtete er durch seine Blitze die Gesichter der Redner und schlug die Pauken, daß es eine Lust war. Daß er ebenfalls in seinem freundlichen Eifer einige hundert Scheiben des Orangeriehauses zerschlug, muß man ihm zu Gute halten, es war Alles im gerechten Eifer, seinen Dichter zu ehren. Im Upsal-Hügel traf ich ihn nicht an, ich leerte aber zu Ehren seines Gedächtnisses einen Becher Meth. Auf der Rückreise besuchten wir Skogkloster, ein schönes, altes Schloß, bewohnt vom Grafen Brahe, einem Bruder des Brahe, der König Karl Johann's Augapfel war und aus Trauer um Diesen starb. Auch hier wurde bei unserer Ankunft mit Kanonen salutirt, die Gräfin und ihre Kinder standen am Ufer und bewillkommten uns. Der Graf war nicht zu Hause, kam aber gegen Mittag an; es war sein Geburtstag. Wir besahen das Schloß, das eine Menge historischer Merkwürdigkeiten besitzt; besonders hat Gustav Wrangel es mit vielem Raub aus dem dreißigjährigen Kriege bereichert. Doch hat er einen frommen Sinn und Gottesfurcht mit seinem Raube verknüpft, denn die Kanzel und die Altartafel in der Kirche hat er den Deutschen abgenommen. Aber Napoleon's Generale waren nicht besser und lebten doch in einer humaneren Zeit.
„Man kann des Guten auch zu viel genießen,“ und die Wahrheit dieses Spruches fühlte ich, als ich ungefähr einen ganzen Monat so viel Ehre und Wohlleben genossen hatte. Deshalb nahmen wir auch Abschied. Einen alten Bekannten besuchten wir: Herr v. Brinckmann, der früher schwedischer Minister in Berlin gewesen ist. Er lebt jetzt wie ein Student, inmitten seiner großen Büchersammlung, die er schon der Universität Upsala vermacht hat. Wir (Beskow, dessen Frau, William und ich) hatten versprochen, zum Thee zu kommen. Der Theetopf und die Tassen, einige Teller mit Früchten und Kuchen standen schon da, als wir ankamen, auf einem Tische ohne Tischtuch. Er selbst war in einen alten Rock gekleidet, aber die schönen Augen waren voll Feuer, und er redete mich als einen alten Freund auf Deutsch an (vor 40 Jahren hatten wir einander in Berlin gesehen). Er fragte uns lustig: „Ists nicht dumm, daß man bald sterben soll, weil man 83 Jahre alt ist?“
Kopenhagen, Sept. 1847.
Madame Schröder-Devrient ist jetzt hier und macht uns durch die Ueberreste einer ausgezeichneten Größe staunen. Ich besitze doch sonst ein wenig Phantasie, aber es kostet mir viel, mir das Alte jung, das Abgeblühte schön, das Sündhafte unschuldig, ein Frauenzimmer als Mann und Deutsch als Dänisch vorzustellen (unsere Sänger sangen nämlich dänisch, die Schröder-Devrient deutsch). Doch in der Norma erstaunte ich im zweiten und dritten Akt über ihr vorzügliches Spiel. Sie ist den Jüngeren ein gutes Vorbild.
Literarische Neuigkeiten.
Kopenhagen, den 13. Jan. 1848.