Reise in Schweden.
Stockholm, den 26. Juli 1847.
Ich habe wenig Zeit, Dir zu schreiben, will aber doch in der größten Eile Dir das Wichtigste, was sich mit uns ereignet hat, erzählen. Beim Könige war ich noch einmal zum Abschied. Er war sehr gnädig, führte mich in seinen Zimmern umher, zeigte mir seine Gemälde, sein Schlafzimmer u. s. w. Sonntag gingen wir auf dem Dampfschiffe mit Beskow nach Gripsholm. Montag mit dem Dampfschiff nach Upsala. Ein Gutsbesitzer Troil hatte die dänische Flagge aufgezogen und salutirte (auf der Rückreise kam er selbst an Bord und begrüßte mich). Ueber das mir zu Ehren veranstaltete Fest in Upsala kannst Du in den Zeitungen lesen. Am nächsten Tage reisten wir von Upsala nach Danemora, wo Baron Tamm uns empfing, und uns die Gruben zeigte. Ein Bergmann, der aus der Grube heraufgewunden wurde, kam mit der Axt auf der Schulter und überreichte mir ein Gedicht, und während ich dasselbe las, feuerte man zwanzig Kanonenschüsse unten in der Grube ab; es dröhnte als wollte die Erde auseinanderspringen. Auf der Reise von Danemora waren wir auf Odins Hügel bei dem alten Upsala, traten auch in denselben, sahen eine Urne mit Asche und leerten einen Becher mit Meth.
Frederiksberg, den 16. Aug. 1847.
Die guten Schweden erwiesen mir, ebenso wie die guten Norweger, viele Ehre und Liebe bei meinem Aufenthalt in Schweden.
In den drei Wochen, die wir in Stockholm verbrachten, waren wir fast jeden Tag zu einem festlichen Diner. In der ersten großen Gesellschaft, die mir zu Ehren im Thiergarten veranstaltet wurde, saß ich zwischen dem alten Björnstjerna und dem Oberstatthalter Baron Sprengtporten. Als ein vortreffliches Lied von Beskow gesungen war, zeigte der alte Björnstjerna mit dem Finger auf eine der für mich ehrenvollsten Stellen und tippte eifrig darauf, und die Thränen standen ihm in den Augen, während er mich mit einem liebevollen Blick anlächelte. Ich erzähle dies, um der Herzlichkeit und Liebe Erwähnung zu thun, die stets mit der Ehre, die man mir erzeigte, verknüpft waren, und die mir theurer als diese Ehre selbst sind.
Es würde Dir viel Spaß gemacht haben, wenn Du bei dem Feste des Kunstvereins im botanischen Garten zugegen gewesen wärest; dort kamen die stockholmer Damen en masse mit Blumen, die sie mir zuwarfen, während ich wohl sechs-, siebenmal die Runde unter ihnen machen mußte; es war ein wirkliches Gewimmel, sie füllten den ganzen Garten. — —
Glaube nicht, meine liebe Maria, daß ich ein so eitler Mensch bin, dies höher anzuschlagen, als sich gebührt. Die große Menge läßt sich zu gewissen Zeiten von Denjenigen animiren, die das Wort führen und den Ton angeben. Ich erinnere mich sehr gut aus der Zeit, wo man mich verfolgte, wie eine große Menge junger Herren mich geringschätzte, ja fast verachtete, als sei ich schon verblüht; sie waren dazu von meinen Feinden und Neidern verleitet, welche kurze Zelt die Macht erhalten hatten, oder wenigstens das Wort führten. Dergleichen muß man für das nehmen, was es eben ist. Aber ein Gefühl, das nicht ganz ohne Realität war, glaube ich allerdings, theilten Alle. Alle glaubten, ich sei einer der ersten gewesen, der zu dem guten Verständniß zwischen beiden Nachbarländern beigetragen. Alle sagten sie mir das. Als wir zur Tafel beim Könige waren, und ich ihm nach der Mahlzeit das Gedicht überreichte, wovon ich bereits erzählt habe, machte es einen ersichtlichen Eindruck auf die ganze Königsfamilie, und die Königin sagte mit Thränen in den Augen zu William: „Ihrem Vater und Tegnér haben wir vor Allen für das gute Einverständniß zu danken.“ Als William meine Tuchnadel, die ein wenig entzwei gegangen war, zu einem Goldarbeiter trug, betheuerte ihm derselbe gerührt, daß er keinen Pfennig dafür nehme. Als ich der Tochter unserer Wirthin die Miethe zahlte, wollte sie mir durchaus weinend die Hand für all die Freude küssen, die ihr meine Gedichte bereitet hatten.