— — Weil wir von Tragödien reden, so darf ich nicht zu erzählen vergessen, daß meine neue Tragödie „Kiartan und Gudrun“ fix und fertig ist, und den Beifall der Kenner und Freunde gefunden hat. Es ist eine Liebes-Tragödie, aber von den frühern dieser Art darin verschieden, daß das Unglück nicht von Außen, sondern von Innen kommt.
Frau Heiberg wird eine vorzügliche Gudrun, einen heroischen, koketten, dämonischen Character spielen.
Das Sujet ist sehr frei behandelt, ganz nach eigener Erfindung. Es ist in Trimetern wie „Amleth“ und „Das Land gefunden und verschwunden“ geschrieben, und es spielt sowohl auf Island wie in Norwegen.
Bei Bing lasse ich von einigen alten Uebersetzungen: „Reinecke Fuchs“, „Götz von Berlichingen“ und Shakespeare's „Sommernachtstraum“ neue Auflagen besorgen. Reinecke Fuchs wird ganz umgearbeitet werden, denn es sind 40 Jahre her, daß ich ihn zuletzt Dänisch schrieb. Den „Sommernachtstraum“ dagegen vermag ich nicht zu verbessern.
Stockholm, den 13. Juli 1847.
Den Tag nach unserer Ankunft hier besuchten wir das Museum. Der alte Herr v. Röck, dessen Bekanntschaft ich vor 30 Jahren bei Frau v. Arnstein in Wien gemacht hatte, führte uns umher. Man gewinnt ihn lieb; er hat Sinn und Geschmack und große Liebe für das, was er vorzeigt; er ist auch nicht ohne einen gewissen naiven Humor. Die herrlichen Arbeiten von Sergel imponirten mir. Er war doch auch ein echter Bildhauer, größer als Wiedewelt und ging Canova und Thorwaldsen voraus. Fogelberg's kolossale nordischen Götterbilder haben zwar etwas Plumpes an sich, aber das Genie spricht aus ihnen.
Gestern (Sonntag) waren wir des Vormittags in der Ridder-Holms-Kirche, wo ich mit Ehrfurcht vor Gustav Adolph's Granit-Sarkophag stand und mit bewundernder Erinnerung und Neugierde das Loch im Hute Karl's XII. sah, und seine großen Stiefeln und die großen Schlüssel eroberter Festungen betrachtete.
Mittags waren wir zur Tafel bei Sr. Majestät. Nach der Mahlzeit überreichte ich ihm meine zwei neuen Tragödien nebst einem Gedichte, welches ich am Vormittage geschrieben hatte. Er dankte mir herzlich, drückte wiederholt meine Hand und er, sowie die Königin und die Prinzen, die höchst liebenswürdig sind, unterhielten sich eine Stunde lang mit mir.
Montag besuchten wir am Vormittage die Antiquitätensammlung, und am Mittage fuhren wir mit Beskow, der uns abholte, nach dem Thiergarten, wo Staatsminister Due uns eingeladen hatte. Unter anderm wurde Falerner Wein servirt, und hier nahm Due eine hübsche und schmeichelnde Veranlassung, mir ein Hoch im Weine des Horaz zu bringen. Den ganzen Nachmittag unterhielt ich mich mit Due, der ein charmanter Mann ohne allen Dünkel ist; er erzählte von der Reise, die er kürzlich mit seiner Frau und Tochter nach Afrika, nach Algier gemacht, wo sie sich köstlich amüsirt hatten.