Vorlesungen.

Den 15. Februar 1847.

In diesem Jahre halte ich vor einem großen Auditorium Vorlesungen über meine eigenen Tragödien. Den ersten Abend entdeckte ich dort etwas, was ich in den 37 Jahren, wo ich an der Universität gelesen habe, noch nie wahrgenommen: nämlich eine Dame! Später kam noch eine. Am nächsten Abend waren deren fünf zugegen, dann zwölf, vierzehn. Ich erhielt nun einen sehr hübschen anonymen Brief, worin man mir sagte, daß mehre Damen mich zu hören wünschten, aber daß sie, obgleich man ihnen allerdings gesagt, daß meine Vorlesungen von Damen besucht würden, doch nicht recht wüßten, ob sie erscheinen dürften. Ich wußte nicht, was ich antworten sollte, denn hätte ich öffentlich gesagt: Kommen Sie nur! so wäre eine große Menge herbeigeströmt, zum Theil aus Neugierde. Ich schwieg also und dachte: Wenn sie wissen, daß bereits Damen da sind, so können sie ja ohne weitere Einladung kommen. Indessen wählte ich mir doch einen größeren Hörsaal, und hier stehe ich nun und lese vor einer bunten Reihe von Damen und Herren, die den Saal füllen.


Den 18. April 1847.

Meine Vorlesungen habe ich für diesen Winter geschlossen. Den letzten Tag fand ich in meinem Zimmer einen schönen Blumenkranz und ein schönes Gedicht von einer meiner (anonymen) Zuhörerinnen; ich nehme an von einer der anmuthigsten. Ich kenne keine von Ihnen, denn auf dem Katheder brauche ich keine Brille, und ohne solche vermag ich nicht weit zu sehen.

In dieser Zeit habe ich Amleth ins Deutsche übersetzt, was keine leichte Arbeit war, wenn man die Trimeter dem Genius der fremden Sprache entsprechend, mit Klang und Kraft wiedergeben wollte. Dahl in Christiania verlegt meine neuen deutschen dramatischen Gedichte, nämlich „Dina“, „Garrick in Frankreich“, „Das Land gefunden und verschwunden“ und „Amleth.“


Kiartan und Gudrun.

Frederiksberg, den 3. Juli 1847.