Hier sitze ich nun wieder zu Hause auf Frederiksberg mit allen meinen lieben Erinnerungen und sage, wie die verwittwete Königin einst zu mir sagte: „Ich lebe in den Erinnerungen.“ Habe Dank, meine geliebte Maria, für all Deine Liebe! Noch gehe ich nur kleine Touren, die ersten längern werden den Bäumen im Garten und im Südfelde gelten, wo ich Deinen geliebten Namen finde. Küsse die süßen Knaben, meinen Harald, meinen Adam und meinen kleinen Wollert vom Großvater, und sage ihnen: ich käme bald! Ach Gott, die längste Zeit wird bald verstrichen sein.
Comique (wie Harald richtig sagt), oder Commäk (wie Adam sich freier ausspricht), liegt mir zu Füßen. „Parole d'honneur, ick hob' keen andern“! sagt der Jude in Heiberg's „König Salomon“ von seinem Schlafrock. Ein kleiner rother junger Hund, den mir v. d. Maase geschenkt hat, geht im Hofe umher und heult. Er soll Robin (Roy) heißen. Die Dienstboten nennen ihn Ruben und glauben, er sei nach einem Juden getauft. Leb wohl! Man scherzt oft mit einem schweren Herzen!
Erster Weihnachtstag 1846.
Um zuerst von einem nur geistigen Kinde zu reden — so wirst Du gelesen haben, daß Amleth Glück gemacht hat. Das Stück wurde an meinem 67. Geburtstag aufgeführt, und wenn auch an diesem Tage eine gewisse Pietät für den Vater auf das Kind überging, so erntete doch das Stück vielen Beifall und hat jedesmal ein volles Haus gegeben.
Am ersten Abend nach Aufführung des Stücks, als ich nach Hause gekommen war, brachte mir ein Lakai folgenden Brief vom Könige, der im Theater gewesen war.
„Herr Etatsrath Oehlenschläger! Sie haben mir durch Ihren Amleth einen großen Genuß bereitet. Ihr immer junger Dichter-Geist hat sich kräftig entfaltet und uns Alle begeistert; die Schönheit und Sinnigkeit des Gedichts haben uns zur Bewunderung hingerissen. Ich sehne mich nicht allein in meinem Namen, sondern auch im Auftrage der Königin Ihnen mündlich auszusprechen, was die dänische Dichtkunst Ihnen, dieses großen Vorbildes halber, schuldig ist, und wie sehr ich Sie, mein lieber Oehlenschläger, den Dichter, hochachte, der ich Ihnen heute viele frohe Lebensjahre wünsche.
Kopenhagen, 14. Nov. 1846.
Ihr wohlwollender
Christian R.“