Den 4. Februar 1846.

Dina ist nun aufgeführt, aber das Stück machte kein Glück. Ich verstehe es nicht, den guten Leuten einen echten Wienertrank zu brauen. — Ein wiener Recensent, Namens Andreas Schuhmacher, hat es seinen Landsleuten ganz gut gesagt. Er schreibt:

„Von den zahlreichen Meisterwerken Oehlenschläger's war es der einzige „Correggio“ den Wien von der Bühne herab genießbar fand, und in diesem Werke selbst war es das Künstlerleben, die bühnliche Einheit und Faßlichkeit, und die entschiedene Hinneigung zum sentimentalen Raisonnement, was es allgemeiner zugänglich machte, als die übrigen Dramen Oehlenschläger's sammt und sonders. Auf diesem Boden war Kotzebue den größten Dichtern überlegen, die sich ja glücklich preisen durften, wenn sie mit dieser prosaischesten aller Seelen den Theaterlorbeer theilen konnten. Soviel nur, um darzuthun, daß die eben vom Publikum ziemlich einstimmig abgelehnte Dina nicht schlechter zu sein braucht, als andere von ganz Deutschland bewunderte, von ganz Dänemark gefeierte Dichtungen dieses Meisters. „Hakon Jarl“, „Hagbarth und Signe“, „Axel und Walborg“ würden das gleiche Schicksal mit der Dina theilen, wenn es Jemandem einfiele, sie mit unsern Schauspielern vor unserm Publikum zu geben. Mag die Dina zergliedern, wer will; ein Dichter schrieb sie, das beweist jedes Blatt! u. s. w.“

Meine kleine Tragödie „Das Land gefunden und verschwunden“ hat mir die Theater-Direction selbst aufzuführen angeboten. Es ist kein Knall-Effectstück; für das Historische und Nationale hat man — aller skandinavischen Vereine ungeachtet — nicht viel Sinn. Ich erwarte keine große Wirkung, aber das Stück wird gelesen und mit Achtung selbst von den Stimmgebenden besprochen.


Amleth.

Den 19. April 1846.

Jetzt bin ich schon lange wieder flott. Ihr wißt, ich war diesen Winter eine Zeitlang auf dem Podagra-Riff auf den Grund gerathen. Es wäre nun sehr langweilig gewesen, wenn ich nicht ein Amüsement gefunden, daß auch Andere, wie ich wünsche, amüsiren wird. Ich habe noch einmal ein Herz gefaßt und eine heroisch-nordische Tragödie in 5 Akten geschrieben, um eine leere Stelle an der Wand meiner dramatisch-historischen Bildergalerie auszufüllen. Werde nicht bange, wenn Du das Blatt wendest und liesest: „Amleth.“ Es ist bei weitem nicht meine Absicht gewesen, mit dem unsterblichen Shakespeare zu wetteifern; unsere Trauerspiele unterscheiden sich nicht nur darin, daß er (wie von Tyboe sein von) sein H voran, und ich (wie Stygotius) das meinige hinterher setze — sondern die Stücke sind in Composition und Characteren ganz und gar verschieden, welches Ihr erfahren werdet, wenn Ihr nach Frederiksberg kommt und ich es Euch vorlese. Ich habe bereits die Freude, daß mehrere competente Richter meinen Amleth gutgeheißen haben.

Den 30. Aug. 1846.